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 Betreff des Beitrags: Fasten
BeitragVerfasst: Mi 5. Mär 2014, 10:08 
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Anlässlich des heutigen Aschermittwochs mal wieder ein - nicht nur - religiöses Thema: Fasten. Gestern noch hedonistisch durch die Gegend geschwoft, versammelt man sich heute, so man fromm und katholisch ist, in der Kirche und lässt sich ein Aschenkreuz aufs Haupt malen, als Zeichen für Umkehr und Buße. Jetzt wird, auf Kommando, die Fröhlichkeit ab- und die innere Sammlung eingeschaltet. Wie in jedem Jahr teilen uns die Medien mit, dass man diesen Spaß nicht den Religiösen allein überlassen darf. Nun ist Fasten angesagt, weg mit Nahrung, die Spaß macht, Süßigkeiten sind sowieso pfui, Alkohol ein Gräuel, Rauchen kannst du gleich vergessen. Und hinter allen Forderungen nach Selbstkasteiung der unausgesprochene Vorwurf, jeder, der nicht wenigstens in der Fastenzeit verzichten würde, sei ein disziplinloser selbstsüchtiger Zeitgenosse, nur darauf aus, die Kranken- und Rentenkassen zu schädigen.

Schlimm finde ich, dass immer mehr Menschen diese Vorstellungen verinnerlichen und sich selbst verurteilen, wenn sie nicht stromlinienförmig nach erfolgreich gelebtem Verzicht in den Sarg passen. Dick sein ist ganz furchtbar, da sieht man die Haltlosigkeit des Individuums doch schon auf hundert Meter. Es gibt im TV ein Format, in dem dicke Leute wochenlang in einem Camp auf Abnehm-Crashkurs gehen. Da wird Diät gehalten und trainiert, in "Callenges" werden absurde Übungen zelebriert, die eher dem Voyeurismus der Zuschauer dienen als wirklich einen Sinn ergeben, und schließlich gibt es eine Abschlusszeremonie, das Große Wiegen. Und hier gehen die Emotionen richtig hoch. Wer nicht, noch nach Wochen strenger Diät, absurd hohe Gewichtsverluste hat, wird als Versager beschimpft, der zu viel frisst und sich zu wenig bewegt. Die Gefühle für die Mitstreiter waren anfangs noch ein wenig von Solidarität verseucht, was sich mittlerweile aber gelegt hat. Jeder kämpft gegen jeden, wenn es sich nicht gerade um Verwandte ersten Grades handelt.

Warum tue ich es mir an, mir solche Sachen anzusehen? Mir Publikumsbeschimpfungen anzuhören wie gestern auf einem öffentlich rechtlichen Sender, wo mir erklärt wurde, was ich alles falsch mache beim Beschaffen und Zubereiten der Mahlzeiten, vom Essen ganz zu schweigen? Möglicherweise uneingestandener Masochismus :oops: ? Eher ein Zugeständnis daran, wie sehr die gesellschaftlichen Ideale verinnerlicht sind und wie stark einem daran gelegen ist, von diesen Idealen nicht allzu sehr abzuweichen.


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 Betreff des Beitrags: Re: Fasten
BeitragVerfasst: Mi 5. Mär 2014, 11:00 
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Juana hat geschrieben:
Anlässlich des heutigen Aschermittwochs mal wieder ein - nicht nur - religiöses Thema: Fasten. Gestern noch hedonistisch durch die Gegend geschwoft, versammelt man sich heute, so man fromm und katholisch ist, in der Kirche und lässt sich ein Aschenkreuz aufs Haupt malen, als Zeichen für Umkehr und Buße. Jetzt wird, auf Kommando, die Fröhlichkeit ab- und die innere Sammlung eingeschaltet. Wie in jedem Jahr teilen uns die Medien mit, dass man diesen Spaß nicht den Religiösen allein überlassen darf. Nun ist Fasten angesagt, weg mit Nahrung, die Spaß macht, Süßigkeiten sind sowieso pfui, Alkohol ein Gräuel, Rauchen kannst du gleich vergessen.

Ich hab vorher nicht geschlemmt, also muß ich auch nicht fasten (der Vorteil protestantischer Herkunft). ;-)

Juana hat geschrieben:
Warum tue ich es mir an, mir solche Sachen anzusehen? Mir Publikumsbeschimpfungen anzuhören wie gestern auf einem öffentlich rechtlichen Sender, wo mir erklärt wurde, was ich alles falsch mache beim Beschaffen und Zubereiten der Mahlzeiten, vom Essen ganz zu schweigen? Möglicherweise uneingestandener Masochismus :oops: ? Eher ein Zugeständnis daran, wie sehr die gesellschaftlichen Ideale verinnerlicht sind und wie stark einem daran gelegen ist, von diesen Idealen nicht allzu sehr abzuweichen.

Nun, mach doch einfach "Fernsehfasten" und verzichte mal ein paar Wochen auf solche Sendungen (und am besten: fang's hinterher nicht wieder an)!

Im Bezug auf sich selbst (und beileibe nicht nur beim Essen) gibt es nur zwei Regeln, die man beachten sollte: 1. es sollte einem schmecken, 2. es sollte einem bekommen. Alles, was darüber hinausgeht, ist ausgemachter Blödsinn. :-)

_________________
"Mangel an historischem Sinn ist der Erbfehler aller Philosophen ... Alles aber ist geworden;
es gibt keine ewigen Tatsachen: sowie es keine absoluten Wahrheiten gibt."


- Friedrich Nietzsche


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 Betreff des Beitrags: Re: Fasten
BeitragVerfasst: Mi 5. Mär 2014, 13:36 
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Juana hat geschrieben:
. Und hinter allen Forderungen nach Selbstkasteiung der unausgesprochene Vorwurf, jeder, der nicht wenigstens in der Fastenzeit verzichten würde, sei ein disziplinloser selbstsüchtiger Zeitgenosse, nur darauf aus, die Kranken- und Rentenkassen zu schädigen.


Ich bin so einer. Ich gebs zu. Macht mir aber nix aus. :)

Zitat:
Warum tue ich es mir an, mir solche Sachen anzusehen? Mir Publikumsbeschimpfungen anzuhören wie gestern auf einem öffentlich rechtlichen Sender, wo mir erklärt wurde, was ich alles falsch mache beim Beschaffen und Zubereiten der Mahlzeiten, vom Essen ganz zu schweigen? Möglicherweise uneingestandener Masochismus :oops: ?.


Da kann ich dir nur empfehlen, machs wie Marcellinus, schau dir das einfach nicht an.

Kochsendungen per se als vollkommen uninteressant empfindend..........tribald


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 Betreff des Beitrags: Re: Fasten
BeitragVerfasst: Sa 8. Mär 2014, 19:31 
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Registriert: So 14. Apr 2013, 11:48
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Hier habe ich einen Artikel gefunden, der mich ein wenig aufbaut:

http://www.sueddeutsche.de/gesundheit/i ... nd-1.29309

Anscheinend ist Übergewicht nicht wirklich so ein großes Gesundheitsrisiko, wie viele Mediziner und Journalisten immer behaupten. Allerdings bleibt dann das Problem, dass dicke Leute als unattraktiv gelten, ungebildet und undiszipliniert. Solchen Vorurteilen kann man wenig entgegensetzen. Es gibt eben wenige Menschen, die nicht jede sich bietende Gelegenheit nutzen, andere abzuwerten und zu kritisieren. Das ist eigentlich das, was am Übergewicht am meisten stört, die unmittelbaren Folgen sind dagegen nach meiner Erfahrung nicht so gravierend, wenn man nicht gerade an sehr starker Adipositas leidet.


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 Betreff des Beitrags: Re: Fasten
BeitragVerfasst: Sa 8. Mär 2014, 19:49 
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Registriert: So 14. Apr 2013, 05:06
Beiträge: 1096
Juana hat geschrieben:
Hier habe ich einen Artikel gefunden, der mich ein wenig aufbaut:

http://www.sueddeutsche.de/gesundheit/i ... nd-1.29309

Anscheinend ist Übergewicht nicht wirklich so ein großes Gesundheitsrisiko, wie viele Mediziner und Journalisten immer behaupten. Allerdings bleibt dann das Problem, dass dicke Leute als unattraktiv gelten, ungebildet und undiszipliniert. Solchen Vorurteilen kann man wenig entgegensetzen. Es gibt eben wenige Menschen, die nicht jede sich bietende Gelegenheit nutzen, andere abzuwerten und zu kritisieren. Das ist eigentlich das, was am Übergewicht am meisten stört, die unmittelbaren Folgen sind dagegen nach meiner Erfahrung nicht so gravierend, wenn man nicht gerade an sehr starker Adipositas leidet.

Jeder muss sich in seiner Haut nur wohlfühlen, alles andere ist sowas von Nebensache... Und eines ist auch klar: mit Hungerharken, bei denen man sich blaue Flecken holt, konnte ich auch nie viel anfangen.
Eine Freundin meiner Frau sagte vor langer, langer Zeit, da war diese komische Twiggy Mode: "Wo viel Fleisch ist, ist viel Liebe" Dem ist nichts hinzuzufügen.
ullr

_________________
"Jede Religion hat das Recht, verarscht zu werden." - Heute Show am 31. Okt 2014


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