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BeitragVerfasst: Mi 6. Mai 2015, 16:59 
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Das ist der Titel eines Interviews mit dem nigerianischen Humanisten Leo Igwe. Interessant ist es nicht nur aber auch, weil es einen Blick von außen auf die säkulare Szene Europas wirft.

Er beschreibt darin die Bedeutung, die er für seine Gesellschaft in einer Abkehr von Aberglauben und Unwissenheit besteht, eine Abkehr, die vor allem Sicherheit und die Abwesenheit von Furcht voraussetzt, Bedingungen, die es augenblicklich in Afrika kaum gibt.

Er charakterisiert aber auch die Nichtreligiösen in Europa:

"...viele nichtreligiöse Menschen sind nicht aktiv und sind nicht in die Konfessionsfreien-Gemeinschaften eingebunden. Ich glaube, einige wollen sich nicht erneut ein „Etikett“ anhängen lassen, sie wollen zu keiner Gruppe gehören. Sie glauben, durch das Engagement in einer nichtreligiösen Gemeinschaft, nachdem sich vom religiösem Glauben verabschiedet haben, ist wie vom Regen in die Traufe zu kommen. Also bleiben sie bindungslos. Aber diese Haltung tut der Sache der Skeptiker und Säkularen nicht gut. Die Nichtreligiösen brauchen ein proaktives Konzept, um den Bedrohungen durch religiösen Fundamentalismus und Aberglauben zu begegnen. Eine säkulare Gesellschaft entsteht nicht einfach so. Sie kann nicht durch bloßes Wunschdenken oder Spekulationen vom Schaukelstuhl aus erreicht werden. Wenn sie einen Wandel verwirklichen wollen, müssen nichtreligiöse Menschen Energie, Kraft und Anstrengungen aufwenden, statt Passivität und Resignation."

Seine Motivation ist purer Utopismus und Idealismus, und doch oder gerade deshalb faszinierend:

"Die Menschen, die für einen gesellschaftlichen Wandel eintreten, tragen häufig eine Bürde – die Bürde einer Utopie. Das ist das, was sie motiviert. Die konkrete Utopie, die meine gesellschaftlichen und intellektuellen Aktivitäten antreibt, möchte ich Secutopia nennen, oder besser: eine utopische säkulare Welt. Es ist eine Welt, die dadurch gekennzeichnet ist, dass skeptisches Denken in einem Maße verbreitet ist, dass religiöse, spirituelle und übernatürliche Ideen und Vorstellungen ganz zur individuellen Privatsphäre gehören. Eine Welt, in der man Dogma und blinden Glauben meidet. Es gibt in ihr eine freie und offene Gesellschaft, in der Menschen alle Behauptungen kritisch untersuchen und alle Ideen verspotten können, ohne Ärger zu bekommen. In dieser Welt sind Apostasie und Blasphemie Tugenden und keine Straftaten. Diese Welt wird regiert vom Wissen, den Werten der Aufklärung, unersättlichem Hunger nach Wahrheit und Beweis, der Logik von Entdeckung und Untersuchung. Es ist eine Welt getrieben vom Willen, zu erschaffen und wieder zu erschaffen, zu erfinden und zu erneuern. Alle menschlichen Kräfte und Talente werden in ihr dafür eingesetzt, Leiden zu mindern, Armut und Krankheiten zu verhindern und ein anständiges Leben für jeden Menschen zu ermöglichen. Und der Tod wird als das Ende des Lebens betrachtet, nicht als Übergang in eine imaginäre Welt und eine ungewisse Weiterexistenz.

Wenn man das liest, mag man einfach nur zustimmen. Zumindest mir ging das so. Immer, wenn ich mit mit einem Thema beschäftige, suche ich Informationen, die das bestätigen oder in Zweifel ziehen, was ich gelesen habe.

So auch hier. Als erstes ein Link auf die Person Leo Igwes. Von dort geriet ich zu James Randi und der Skeptikerbewegung, und dort, vielleicht charakteristisch, auf einen Streit innerhalb dieser Bewegung, der - wen wundert das jetzt, und den Begriff der "Wahrheit" kreist. Was ist die Welt doch klein. :lol:

So kommt man von einen interessanten Interview mit einer faszinierenden Person zum Thema der Erkenntnistheorie.

Aber das läßt die grundsätzliche Frage immer noch offen: Entsteht eine säkulare Gesellschaft "einfach so"? Was verstehen wir unter einer "säkularen Gesellschaft", welche Bedeutung könnte sie haben für uns und andere und was ist dieses Ziel, wenn es überhaupt eines ist, uns wert?

Und, als Nebenprodukt dieses Themas, steht zwischen Religiösen und Nichtreligiösen ein Wahrheitsanspruch gegen einen anderen, oder bedeutet Skeptizismus eigentlich Agnostizismus und Nihilismus?

Ein bißchen viel für dieses kleine Forum, nicht wahr? Aber das ist es doch im Kern, worum sich alle weltanschaulichen Debatten drehen, oder? ;)

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"Mangel an historischem Sinn ist der Erbfehler aller Philosophen ... Alles aber ist geworden;
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BeitragVerfasst: Mi 6. Mai 2015, 19:43 
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ich komme im Augenblick nicht dazu, viel zu schreiben. Unqualifiziert rumschimpfen (ab und zu meine Spezialität) ist ja einfach, passt aber nicht immer.
Wie wäre es denn mit säkularen Lobbyisten in den Parlamenten? Abgeordnete, die sich offen und eindeutig für einen säkularen Staat einsetzen und jedes religiotische Brimborium ("So wahr mir Gott helfe", Tanzverbote, stille religiöse Feiertage, Symbole für sadistische Hinrichtungswerkzeuge in öffentlichen Räumen, staatlich bezahlte Fakultäten an Universitäten, staatliche Lehrer für Religiotie) öffentlich und auch im parlamentarischen Alltag bekämpfen, und so ihre Partei für säkulare wählbar machen? Mir fallen da z. Zt. nur zwei ein, Sonneborn und Schwanitz- einer von beiden gehört einer Partei an, die ich gewählt habe und es war nicht die große Arbeiterpartei, die nu zu einem Anhängsel der Muttipartei verkommen ist...
Aber das könnte sich doch ändern...
ullr

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"Jede Religion hat das Recht, verarscht zu werden." - Heute Show am 31. Okt 2014


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BeitragVerfasst: Mi 6. Mai 2015, 20:39 
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ullr hat geschrieben:
Wie wäre es denn mit säkularen Lobbyisten in den Parlamenten? Abgeordnete, die sich offen und eindeutig für einen säkularen Staat einsetzen und jedes religiotische Brimborium ("So wahr mir Gott helfe", Tanzverbote, stille religiöse Feiertage, Symbole für sadistische Hinrichtungswerkzeuge in öffentlichen Räumen, staatlich bezahlte Fakultäten an Universitäten, staatliche Lehrer für Religiotie) öffentlich und auch im parlamentarischen Alltag bekämpfen, und so ihre Partei für säkulare wählbar machen?

Ja, gute Idee! Dann müßte es allerdings auch jemanden geben, der sie wählt, und vor allem jemand, der sich für sie einsetzt, Reklame macht, Pressearbeit, das ganze Gedöns halt. Warum, denkst du, bezeichnen sich unter den Bundestagsabgeordneten nur 3 als Atheisten, 23 als konfessionslos, aber 194, knapp ein Drittel, verzichten auf jede Angabe? Weil Atheismus selbst unter Nichtreligiösen einen beschissenen Ruf hat!

Langsam begreift die säkulare Szene, daß sie mit dem Etikett "Humanismus" evtl. etwas hat, womit sie aus der gesellschaftlichen Schmuddelecke herauskommt. Aber eben auch nur "eventuell". Da besonders wir Deutsche dazu neigen, nicht vernünftig zu handeln, sondern aus Überzeugung, herrscht in der säkularen Szene eine unausrottbarer Spaltpilz. Zum einen streitet man über Belandlosigkeiten, zum anderen trägt man, kaum daß man irgendwo wahrgenommen wird, das kleine Pflänzchen "Humanismus" auf alle möglichen und unmöglichen Nebenkriegsschauplätze.

Nein, wir Humanisten müssen nicht alle die gleiche Meinung zum Vegetarismus haben, oder dazu, ob Tiere in Zoos gehalten werden oder Schimpansen das Wahlrecht bekommen sollten. Vielleicht sollte man einfach mal bei seinem Thema bleiben, Humanismus und Säkularisierung, und nicht hinter jeder Sau herlaufen, die von irgendwelchen bürgerlichen SpinnerInnen durch's Dorf getrieben wird. Aber ich bin ja auch bloß ein alter, gewissenloser Bastard! :lol:

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BeitragVerfasst: Do 7. Mai 2015, 18:31 
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Marcellinus hat geschrieben:
Nein, wir Humanisten müssen nicht alle die gleiche Meinung zum Vegetarismus haben, oder dazu, ob Tiere in Zoos gehalten werden oder Schimpansen das Wahlrecht bekommen sollten. Vielleicht sollte man einfach mal bei seinem Thema bleiben, Humanismus und Säkularisierung, und nicht hinter jeder Sau herlaufen, die von irgendwelchen bürgerlichen SpinnerInnen durch's Dorf getrieben wird.


Das heisst ja, Du willst nicht, dass die Atheistische Bewegung sich mit Frauen-, Homosexuellen-, Minderheitsrechten usw. beschaeftigt? Du bist einfach nur ein ueberprivilegiertes weisses heterosexuelles maennliches Schwein! :lol:

...So laeuft es zumindest hier in Nordamerika mit der "Atheistenbewegung". Oder vielleicht bin ich zu pessimistisch, denn die Linksradikalen, die so reden, haben sich mittlerweile so gruendlich zum Affen gemacht, dass sie jetzt nur eine Minderheit sind, die sonst niemand ernstnimmt. Doch die Erfahrung praegt und genau das (nachdem der Marxismus, wie Du mal geschrieben hast, seinen Status als die gemeinsame Weltanschauung der Atheisten verloren hat, kam die [nicht so verschiedene] autoritaere Linke auf den Plan mit dem Versuch, die Bewegung zu erobern) hat mich eggen "Bewegungen" sehr misstrauisch gemacht.

Ist es vielleicht so, dass sich die Saekularen - und auch gemaessigte Christen - gegenueber den Fundis im Nachteil befinden, weill ihnen schliessliche die noetige Naivitaet fehlt?


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BeitragVerfasst: Do 7. Mai 2015, 20:24 
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Domingo hat geschrieben:
Marcellinus hat geschrieben:
Nein, wir Humanisten müssen nicht alle die gleiche Meinung zum Vegetarismus haben, oder dazu, ob Tiere in Zoos gehalten werden oder Schimpansen das Wahlrecht bekommen sollten. Vielleicht sollte man einfach mal bei seinem Thema bleiben, Humanismus und Säkularisierung, und nicht hinter jeder Sau herlaufen, die von irgendwelchen bürgerlichen SpinnerInnen durch's Dorf getrieben wird.


Das heisst ja, Du willst nicht, dass die Atheistische Bewegung sich mit Frauen-, Homosexuellen-, Minderheitsrechten usw. beschaeftigt? Du bist einfach nur ein ueberprivilegiertes weisses heterosexuelles maennliches Schwein! :lol:

...So laeuft es zumindest hier in Nordamerika mit der "Atheistenbewegung". Oder vielleicht bin ich zu pessimistisch, denn die Linksradikalen, die so reden, haben sich mittlerweile so gruendlich zum Affen gemacht, dass sie jetzt nur eine Minderheit sind, die sonst niemand ernstnimmt. Doch die Erfahrung praegt und genau das (nachdem der Marxismus, wie Du mal geschrieben hast, seinen Status als die gemeinsame Weltanschauung der Atheisten verloren hat, kam die [nicht so verschiedene] autoritaere Linke auf den Plan mit dem Versuch, die Bewegung zu erobern) hat mich eggen "Bewegungen" sehr misstrauisch gemacht.

Ich liebe das, wenn Leute so unkorrekt, so gerade heraus sind! :lol: Nun, ganz so ist es nicht, weshalb ich ja auch mit Bedacht andere Beispiele gewählt hatte (ich schreibe meistens mit Bedacht. Das ist auch der Grund, warum ich kein großer Freund von Chats bin).

Humanismus bedeutet ja eigentlich Menschlichkeit, und da Eintreten für Menschenrechte, und Säkularismus ist die Vorstellung, Religionen hätten Privatsache zu sein, also das Eintreten gegen alle Versuche, religiöse Fantasievorstellungen zu benutzen, um die Menschenrechte anderer einzuschränken (es ist nicht verboten, die eigenen Menschenrechte einzuschränken, nur Dummheit!).

Die Kurzfassung der Menschenrechte, die ich immer noch am überzeugendsten finde, heißt: das gleiche Recht aller auf Leben, Freiheit und das Streben nach Glück. Dieses Recht macht keinen Unterschied, ob man nun Mann oder Frau, Homo oder Hetero, Schwarz, Weiß, Gelb oder Grün ist. Würden sich Humanisten dazu nicht äußern, verlöre das Wort "Humanismus" seinen Sinn.

Aber Humanismus ist kein Ersatz für ein politisches Programm, er ist nicht links oder rechts, oder sollte es zumindest nicht sein. Er ist in allererster Linie ein Lebensstil, eine Art des Umgangs miteinander wie mit der Welt. Was er nicht ist, oder nicht sein sollte, ist eine "Weltanschauung", ein moralisches oder politisches Programm. Humanismus wird mißverstanden, wenn man es als die Kunst der Zuspitzung begreift. Es ist keine neue "Wahrheit", auch wenn einige das zu meinen scheinen, und deshalb Glaubenskriege vom Zaun brechen, wer nun der "wahre" Humanist sei.

So wie es linke und rechte Christen, Moslems oder Juden gibt, linke und rechte Philosophen, so sollten wir auch aushalten können, daß es linke und rechte Humanisten gibt.

Domingo hat geschrieben:
Ist es vielleicht so, dass sich die Saekularen - und auch gemaessigte Christen - gegenueber den Fundis im Nachteil befinden, weill ihnen schliessliche die noetige Naivitaet fehlt?

Fundamentalismus ist der Besitz eines Gesichtskreises mit dem Radius Null, und das nennen sie Standpunkt. Sie zeichnet also nicht eigentlich Naivität aus, sondern Dummheit, wobei Dummheit nicht unbedingt die Abwesenheit von Intelligenz bedeuten muß, sondern nur die Unfähigkeit, von ihr einen angemessenen Gebrauch zu machen.

Fundamentalismus bedeutet die Abwesenheit von Zweifeln, die Unfähigkeit oder der Unwille, widersprechende Tatsachen zur Kenntnis zu nehmen. Fundamentalisten nehmen die Welt so wahr, wie sie wünschen, daß sie wäre, und das kannst du natürlich Naivität nennen. ;)

Was vordergründig ihr Vorteil ist, ist Lautstärke, die aus Realitätsblindheit resultiert. Auf lange Sicht sind sie immer gescheitert und werden es wieder tun. Vielleicht müssen die Moderaten nur lernen, gelegentlich etwas lauter zu sein. ;)

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BeitragVerfasst: Fr 8. Mai 2015, 07:08 
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Hallo Marcellinus, weshalb gibt es hier keine "Perlen"??? ;)
Ja, so ist es. Es ist in meinen Augen eine bestimmte Art von Dummheit, die Religioten anhaftet. Die hängt auch mit dem Dunning Kruger Syndrom zusammen. Du kannst Dir nicht vorstellen (und das ist auch gut so) wie tief dieser Wahn sitzen kann, "weil ich röm-katholisch" oder "Zeuge Jehovas" oder "neuapostolisch" oder "baptistisch" bin, weiß ich es besser als alle anderen. Bildung hilft. Bei Krickeline reichte die Bildung in der Schule und möglicherweise der Zusammenbruch des neuapostolischen Glaubens ihrer Mutter in der Bombennacht in Kassel. Krickeline wurde zwar zu Hause noch ein wenig neuapostolisch konditioniert, das hörte aber auch auf, als der Stammapostel in Kassel verkündete, er bräuchte seine (mechanische) Armbanduhr nicht mehr aufzuziehen, weil der Weltuntergang unmittelbarst vor der Tür stehe. Da traten dann meine späteren Schwiegereltern aus der Gemeinde aus. Ich habe mit röm-katholisch deutlich länger gebraucht. ;)
Ich verstehe heute eines nicht mehr: Wenn ich das damals gewußt hätte, was heute über die Entstehung der jüdisch-christlichen-islamischen Märchenbücher bekannt ist, hätte ich religiös sofort in den Sack gehauen. Das war für mich die Schlüsselwahrheit, absolut, dass Jesus Christus tatsächlich und historisch nachweisbar körperlich auferstanden ist. Wenn mir damals jemand nachgewiesen hätte (die Nachweise gab es bereits, ... Albert Schweitzer) , dass alles, alles nichts mehr als ein Märchen ist, dann hätte ich mich deutlich schneller zum Atheisten entwickelt. Trotz Dunning Kruger Syndrom... Man hat mich sauber von Wissen ferngehalten. Heute geht es so nicht mehr. 18 Jahre war Misha Anouk alt, als er von den Zeugen Jehovas verstoßen wurde. Seine Eltern sagten sich von ihm los, seine Brüder, sein gesamtes Freundes- und Bekanntenumfeld... Christen halt.
Ich verstehe heute nicht, dass gebildete Menschen versuchen, diese Märchenbücher umzudeuten, klare Aussagen direkt in's Gegenteil zu drehen lächerliche intellektuelle Purzelbäume anzustellen, nur um so zu tun, als hätte ihr Märchenbuch einen höheren Wahrheitsgehalt als der Mythos von Herakles, Prometheus Odin bzw Ullr...
Und all diesen Mist bezahlen wir von Staats wegen noch selber und unfreiwillig und lassen es zu, dass Parteien skrupellos unsere Gesetzgebung ändern, um die Verstümmelung wehrloser Menschen gegen ihren Willen aus religiotischen Gründen zuzulassen. Schande über Deutschland.
ullr

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Zuletzt geändert von ullr am Fr 8. Mai 2015, 08:31, insgesamt 1-mal geändert.

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BeitragVerfasst: Fr 8. Mai 2015, 07:22 
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Marcellinus hat geschrieben:
Die Kurzfassung der Menschenrechte, die ich immer noch am überzeugendsten finde, heißt: das gleiche Recht aller auf Leben, Freiheit und das Streben nach Glück. Dieses Recht macht keinen Unterschied, ob man nun Mann oder Frau, Homo oder Hetero, Schwarz, Weiß, Gelb oder Grün ist. Würden sich Humanisten dazu nicht äußern, verlöre das Wort "Humanismus" seinen Sinn.


Nun, natuerlich sollte sich die saekulare Szene dazu "äußern", und ich kenne wahrlich kein Mitglied der hiesigen Atheistenszene, der nicht fuer Gleichberechtigung aller Menschen waere, das Recht, gleichgeschlechtlich heiraten zu duerfen usw. usf. Atheisten koennen vielleicht sogar besonders gute Argumente fuer diese Rechte vorbringen, indem sie die Sache von ihrer besonderen Warte aus angehen, etwa indem sie nachweisen, dass viele religioese Argumente gegen Homosexualitaet auf platonische Metphysik beruhen, und diese Metaphysik widerlegen koennen. Doch man muss auch Prioritaeten setzen und vermeiden, sich zu verzetteln. Fuer die Homosexuellenverteidigung gibt es eigene Vereine, waehrend die Atheisten sich mMn auf das konzentrieren sollten, was unter ihre besondere Expertise faellt.

Aber ich sprach eigentlich von etwas anderem: wie manche politische Richtungen die Atheistenbewegung versucht haben zu vereinnahmen, und wie mir das ein starkes Misstrauen fuer organisierte Bewegungen eingefloesst hat.


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BeitragVerfasst: Fr 8. Mai 2015, 14:48 
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Domingo hat geschrieben:

. Fuer die Homosexuellenverteidigung gibt es eigene Vereine, waehrend die Atheisten sich mMn auf das konzentrieren sollten, was unter ihre besondere Expertise faellt.

Aber ich sprach eigentlich von etwas anderem: wie manche politische Richtungen die Atheistenbewegung versucht haben zu vereinnahmen, und wie mir das ein starkes Misstrauen fuer organisierte Bewegungen eingefloesst hat.


Mir ist nicht ganz klar, was die besondere Expertise der Atheisten sein soll.
Davon abgesehen, dieses Mißtrauen gegenüber organisierten Bewegungen/Vereinen/Zünften was auch immer ist bei mir tief verwurzelt.
Ganz egal welche Organisation sich auch bildet, was für hehre und tolle Gründe für die Existenz der Organisation spricht, meiner Erfahrung nach läuft das mit der Zeit nach dem immer gleichen Schema ab.
Nach ner gewissen Zeit schält sich langsam aber unaufhaltsam eine gewisse Elitenklasse heraus. Das sind die, die das meiste machen. Sich am meisten einsetzen, die irgendwie wichtig sind.
Und ebenso unaufhaltsam fängt diese Truppe an, für sich Sonderprivilegien zu beanspruchen. Weil für den Verein wirklich wichtig. Etc.
Ich war mal ne Zeitlang Mitglied im Verwaltungsrat meines Sportvereins. Hab mich eingebracht und kräftig mitgewirkt zum Wohle des Vereins. Wurde auch anerkannt von den meisten Mitglieder und ich wurde Jahr für Jahr in meinem Amt bestätigt. Bis mir irgendwann auffiel, wie ganz selbstverständlich ich in der Zwischenzeit besondere Privilegien genutzt habe.
Imme reservierte Plätze bei egal welchen Veranstaltungen. Kostenloses Essen und Trinken, Erlaubte Nutzung ansonsten verbotener Hallenbenutzung.
Selbst bei Vereinswirt bekam ich dann fast immer zuerst mein Essen. Den Espresso nach dem Mahle bekam ich natürlich umsonst.
Und so weiter und so fort. als mir das klar wurde, hab ich den Posten geschmissen. Meine Verwaltungsrats Kollegen und Kolleginnen verstehen heute noch nicht, warum. Für die ist und war das alle selbstverständlich.
Ganz genauso dürfte es auch bei einer organisierten Atheisten Organisation ablaufen. Und genau das mag ich nicht. Deswegen bleib ich lieber Einzelkämpfer. Wohl wissend, dass damit nichts gewonnen werden kann.
Politiker, die nicht klar zu ihrem Desinteresse gegenüber jedwedem Aberglauben stehen, können mir eh gestohlen bleiben.
Ich werde mal bei kommenden Wahlen versuchen, mehr über die zur Frage stehenden Bewerber rauszubekommen.
Kann natürlich sein, dass ich auch da angelogen werde.

sich mal ganz ungeordnet zum Thema äußernd..................tribald


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BeitragVerfasst: So 10. Mai 2015, 20:29 
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tribald hat geschrieben:
Mir ist nicht ganz klar, was die besondere Expertise der Atheisten sein soll.
Davon abgesehen, dieses Mißtrauen gegenüber organisierten Bewegungen/Vereinen/Zünften was auch immer ist bei mir tief verwurzelt.
Ganz egal welche Organisation sich auch bildet, was für hehre und tolle Gründe für die Existenz der Organisation spricht, meiner Erfahrung nach läuft das mit der Zeit nach dem immer gleichen Schema ab.
Nach ner gewissen Zeit schält sich langsam aber unaufhaltsam eine gewisse Elitenklasse heraus. Das sind die, die das meiste machen. Sich am meisten einsetzen, die irgendwie wichtig sind.
Und ebenso unaufhaltsam fängt diese Truppe an, für sich Sonderprivilegien zu beanspruchen. Weil für den Verein wirklich wichtig. Etc. […]
Deswegen bleib ich lieber Einzelkämpfer. Wohl wissend, dass damit nichts gewonnen werden kann.


Irgendwie erinnert mich das an Robert A. Heinlein, das alte liberale Urgestein …

Politische Etiketten - wie Royalist, Kommunist, Demokrat, Populist, Faschist, Liberaler, Konservativer und so fort - sind im Grunde nicht maßgebend. Die Menschheit unterteilt sich politisch in diejenigen, die ihre Mitbürger beherrschen wollen und diejenigen, denen ein solcher Gedanke fernliegt. Die einen sind Idealisten, die in edler Selbstverleugnung alle Kräfte für das Wohl der Gemeinschaft einsetzen, die anderen dagegen miese Widerlinge, denen es an Opferbereitschaft fehlt. Mit den anderen lebt es sich allerdings bequemer.

… allerdings träumte der auch von einem Universum, in dem man jede Welt, wenn es einem zu viel wurde, mit dem nächsten Raumschiff verlassen konnte.

"Wenn die Bevölkerungsdichte auf einer Welt so zunimmt, daß man Ausweise benötigt, ist der soziale Zusammenbruch nicht mehr fern. Es wird höchste Zeit, auszuwandern. Das Beste an der Raumfahrt ist, daß sie Auswanderungsmöglichkeiten geschaffen hat."

Und noch ein Zitat von Heinlein, daß sehr gut zu unserer keine Unterhaltung paßt:

Es ist erstaunlich, welch starke Ähnlichkeit Weisheit und Erfahrung mit Resignation und Müdigkeit haben." ;)

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BeitragVerfasst: Mo 11. Mai 2015, 18:57 
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tribald hat geschrieben:
Mir ist nicht ganz klar, was die besondere Expertise der Atheisten sein soll.


Nicht der Atheisten per se (ich habe mich wohl falsch ausgedrueckt), sondern der militanten und (fast) beruflichen Religionskritiker (Dawkins, Schmitt-Salomon, Luedemann usw.). Sie haben Uebung darin, gegen religioese Apologeten zu debattieren und tdie typischen religioesen Argumente zu widerlegen.


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