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BeitragVerfasst: Fr 1. Mai 2015, 11:00 
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ullr hat geschrieben:
Mich fasziniert unglaublich, mit welcher Scharfsinnigkeit antike bzw auch Forscher in der Neuzeit (Ole Römer) Naturbeobachtungen in wissenschaftliche Theorien sprich Modelle eingebunden haben. Es stimmt ja nicht, dass erst mit Newton die Mathematik in die Physik kam. Sie bekam da einen anderen Stellenwert. Aber wenn ich mir die Beweisführung von Aristarch ansehe, wie er bekannte Berechnungen (Erathostenes, Abschätzung der Größe der Sonne- schon das war ein Hinweis, dass es sehr unwahrscheinlich ist, dass ein so großer Himmelskörper um den kleinen Himmelskörper Erde kreist) in seine Beweisführung eingebunden hat... Mein Gott, was sind da diese Märchenerzähler der Theologie dagegen...

Das ist auch so ein Punkt, der Philosophen mit ihren statischen Theorien, ihrer Beschränkung auf "den" einzelnen Wissenschaftler und das hier und jetzt, immer wieder entgeht, die Beurteilung von vorwissenschaftlichen Erklärungsmodellen, und das Auf und Ab der Wirklichkeitskongruenz, oder anders ausgedrückt: des Realitätsgehaltes des Wissens vergangener Zeiten.

Wie will man zum Beispiel den Wissenszuwachs während der ersten Phase europäischer Säkularisierung in den griechisch-römischen Antike sachgerecht beurteilen, und vom Wissensverfall in der nachfolgenden Priesterherrschaft ab dem 5. Jh. u.Z. abgrenzen, wenn nicht durch eine soziologische Prozeßtheorie der Wissensentwicklung?

Aber es kann natürlich sein, daß manche das auch gar nicht wissen wollen!

ullr hat geschrieben:
Und klar ist für mich dass es absolut "richtige" Lösungen nur in formalen Systemen geben wird. Das erleben Ingenieure eigentlich tagtäglich.
ullr

Das sag mal den Philosophen. ;)

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"Mangel an historischem Sinn ist der Erbfehler aller Philosophen ... Alles aber ist geworden;
es gibt keine ewigen Tatsachen: sowie es keine absoluten Wahrheiten gibt."


- Friedrich Nietzsche


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BeitragVerfasst: Fr 1. Mai 2015, 17:29 
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@Marcellinus:

Ich meinte (falls das nicht klar ruebergekommen ist) dass es ein Streit um Worte ist, wenn man sich zwischen "richtiger" und "weniger falsch" streitet ;)

Ansonsten stimme ich Dir zu.


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BeitragVerfasst: Fr 1. Mai 2015, 17:55 
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Domingo hat geschrieben:
Ich meinte (falls das nicht klar ruebergekommen ist) dass es ein Streit um Worte ist, wenn man sich zwischen "richtiger" und "weniger falsch" streitet ;)

Ja, entscheidend ist der Komparativ. ;)

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BeitragVerfasst: Fr 1. Mai 2015, 18:57 
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Marcellinus hat geschrieben:
ullr hat geschrieben:
Mich fasziniert unglaublich, mit welcher Scharfsinnigkeit antike bzw auch Forscher in der Neuzeit (Ole Römer) Naturbeobachtungen in wissenschaftliche Theorien sprich Modelle eingebunden haben. Es stimmt ja nicht, dass erst mit Newton die Mathematik in die Physik kam. Sie bekam da einen anderen Stellenwert. Aber wenn ich mir die Beweisführung von Aristarch ansehe, wie er bekannte Berechnungen (Erathostenes, Abschätzung der Größe der Sonne- schon das war ein Hinweis, dass es sehr unwahrscheinlich ist, dass ein so großer Himmelskörper um den kleinen Himmelskörper Erde kreist) in seine Beweisführung eingebunden hat... Mein Gott, was sind da diese Märchenerzähler der Theologie dagegen...

Das ist auch so ein Punkt, der Philosophen mit ihren statischen Theorien, ihrer Beschränkung auf "den" einzelnen Wissenschaftler und das hier und jetzt, immer wieder entgeht, die Beurteilung von vorwissenschaftlichen Erklärungsmodellen, und das Auf und Ab der Wirklichkeitskongruenz, oder anders ausgedrückt: des Realitätsgehaltes des Wissens vergangener Zeiten.

Wie will man zum Beispiel den Wissenszuwachs während der ersten Phase europäischer Säkularisierung in den griechisch-römischen Antike sachgerecht beurteilen, und vom Wissensverfall in der nachfolgenden Priesterherrschaft ab dem 5. Jh. u.Z. abgrenzen, wenn nicht durch eine soziologische Prozeßtheorie der Wissensentwicklung?

Aber es kann natürlich sein, daß manche das auch gar nicht wissen wollen!
...

Empedokles: Befreit Agrigent von Malaria. Wie? Er läßt einen Hügelzug durchstechen und zwar so, das der Durchstich die Form einer Venturidüse erhielt. Die Luftströmung trocknet zwei Sümpfe aus, Voilá!
Und dann mach sich so ein Arsch von christlichem Idioten (Laktanz) auf und hämt ihm, weil er sich als Gott verehren ließ. Was haben die Christen in der Richtung geschaffen? Irgendwas, dass sich mit dem römischen Aquädukten und dem Fernstraßennetz vergleichen ließe? Rom hatte ein funktionierendes Abwassersystem, in christlichen Städten wüteten Cholera, Ruhr, Pest. Erst im 18/19 Jahrhundert bauten Ingenieure in den großen Städten Abwassersysteme und Kläranlagen, verhöhnt von philosophischen und medizinischen Besserwissern. Was bauten die Christen? Häßliche Christentempel, guckt euch doch mal diesen Steinhaufen in Köln an, das einzige Schöne gibt es erst seit Kurzem dort, das Richterfenster...
:D
Lesenswert in diesem Zusammenhang: "Schatten über Europa" von Rolf Bergmeier
ullr

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BeitragVerfasst: So 3. Mai 2015, 04:37 
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Uebrigens vergass ich zu erwaehnen, dass die Verbiestertheit der "Wahrheits"-Befuerworter, wie Marcellinus sie beschreibt, mir recht merkwuerdig vorkommt, wird dieser Begriff doch in der Fachliteratur aller Disziplinen, in die ich schon mal reingeschaut habe, so gut wie nie benutzt. Als ich mal selbst das Wort in einem akademischen Aufsatzentwurf hinschrieb ("so kann man der Wahrheit naeherkommen" oder sowas), hat es mir der Korrektor gleich rauseditiert...


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BeitragVerfasst: So 3. Mai 2015, 06:20 
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Marcellinus hat geschrieben:
...
Das sag mal den Philosophen. ;)

Die können noch nicht mal mit Zahnweh umgehen.
Zitat:
Bis jetzt gab's keinen Philosophen,
der mit Geduld das Zahnweh konnt' ertragen,
ob sie der Götter Sprache gleich geredet
und Schmerz und Zufall als ein Nichts verlacht.

Shakespeare, Viel Lärm um Nichts.
ullr

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BeitragVerfasst: So 3. Mai 2015, 10:53 
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ullr hat geschrieben:
... Viel Lärm um Nichts ...

Das richtige Stichwort. Das ist es, was mich so ratlos macht, das endlose Debattieren um Fantasievorstellungen, das Beharren auf Begriffen, bei denen nach ständigem Umdefinieren schon lange nicht mehr klar ist, was damit begriffen werden soll, man aber mit umso größerer Entschiedenheit darauf beharrt.

"Entweder man findet eine Lösung, oder man ist selbst ein Teil des Problems." Ich mag mich ja irren, aber ich habe den Eindruck, daß das eigentliche Problem darin besteht, daß der tägliche Umgang mit uns selbst uns die Erkenntnis verstellt, daß die Eigentümlichkeiten der Welt, die wir Menschen miteinander bilden, ein weitgehend weißer Fleck auf der Landkarte unseres Wissens sind, ein größeres Rätsel, als ehedem die Rückseite des Mondes.

Alle Debatten, hier wie an anderer Stelle, so sehr sie sich um abstrakte Begriffe wie "Gott", "Transzendenz", "Wahrheit", "Erkenntnis" oder "Ethik" drehen, handeln doch von Menschen, den Gesellschaften, die sie miteinander bilden, und den gedanklichen Werkzeugen, die sie entwickelt haben, um sich in ihrer jeweiligen Welt zu orientieren.

Also sollte man versuchen, gedankliche die Entwicklungen nachzuvollziehen, die die Menschen, ihre Gesellschaften und ihre Werkzeuge genommen haben, und das ist ein soziologische wie psychologische Aufgabe, auch wenn die heutige Soziologie wie Psychologie dieser Aufgabe noch kaum gerecht wird.

Hier kommt für mich die Prozeß-Soziologie von Norbert Elias ins Spiel, die sich mit all diesen Fragen beschäftigt, und ein Modell anbietet, wie Religion, Philosophie und Wissenschaften und in diesen Physik, Biologie und Soziologie im Verhältnis zu einander stehen und all diese Modellvorstellungen insgesamt zu der Welt, in der wir leben und uns zu orientieren versuchen.

Mir ist vollkommen bewußt, daß diese Fragestellungen oft ziemlich konträr zu den gegenwärtigen Debatten verlaufen. Die Verwirrungen um den "Wahrheits"-Begriff sind nur ein kleines Beispiel dafür. Aber das ist die Sache wert, denn an der Notwendigkeit, von uns und der Welt, in der wir leben, ein realistischeres Bild zu bekommen, als wir es heute haben, kann kein Zweifel bestehen.

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