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 Betreff des Beitrags: Re: Luther, eine Polemik
BeitragVerfasst: Mo 12. Jan 2015, 12:17 
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tja, da hauT Mynarek auf die Luther-Lobhudelkacke, dass es nur so spritzt...
Da fällt mir nur noch ein:
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ullr

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 Betreff des Beitrags: Re: Luther, eine Polemik
BeitragVerfasst: Mo 12. Jan 2015, 13:04 
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ullr hat geschrieben:

Und Mynarek hat ja Recht. Luther war ein neurotischer Religiot. Aber das mußte man wohl auch sein, wenn man sich mit dem Papst anlegen wollte. Die Ansichten, die er geäußert hat, waren damals sicherlich Mainstream, nicht Ausnahme, und seine Stellung zu den Bauernaufständen war Voraussetzung für die Unterstützung durch Landesfürsten, ohne die seine Reformation nicht die Spur einer Chance gehabt hätte.

Die Protestanten in seiner Tradition waren weder aufgeklärter noch menschenfreundlicher als die Katholiken, und doch gibt es zwei Punkte, die mich Luther mit etwas mehr Milde sehen lassen: Die Vorstellung vom Priestertum aller Gläubigen, und damit die Ablehnung aller sakraler Bedeutung von Amtsträgern, vom Papst angefangen bis zum kleinen Priester, und die Ablehnung der Heiligenverehrung.

Dies führte in der Praxis dazu, daß keine monolithische protestantische Kirche entstand, sondern viele unabhängige, was schon für sich etwas Gutes ist, mochte es Luther beabsichtigt haben oder nicht. Oder wie Voltaire so schön sagte: Eine Religion bedeutet Despotismus, zwei bedeuten Bürgerkrieg, aber mit 30 Konfessionen kann man ruhig und in Frieden leben. Mit der Aufklärung machte sich dann die "Freiheit eines Christenmenschen", die Prinzipien von Freiwilligkeit und persönlicher Überzeugung positiv bemerkbar, zuerst und vor allem durch Bibelkritik, zu der auch Luther mit der Ablehnung des "vierfachen Schriftsinns" nicht wenig beigetragen hatte. Gleiches gilt für die Trennung von Weltlichem und Geistlichem bei Luther, eine Voraussetzung für Menschenrechte.

Die Ablehnung der Heiligenverehrung war mindestens genauso wirkungsvoll, ist damit doch bei den Katholiken ein hohes Maß an Esoterik verbunden. In dem sich das Luthertum ganz auf die Bibel und die einzelnen Gläubigen konzentrierte, braucht es nur noch die kritischen Bibelwissenschaft, um vielen Menschen einen schmerzfreien Abschied von der Religion ihrer Vorväter zu ermöglichen. Kurz: das Luthertum hat im Verbindung mit den modernen Wissenschaften ein weit geringeres Verdummungspotential als zB die kath. Kirche. Vieles davon hat Luther angestoßen, obwohl er andererseits unbestritten ein Arsch war.

Der Ehrlichkeit halber muß man auch erwähnen, daß diese "Freiheit eines Christenmenschen" zB von Pietisten und Evangelikalen als Freiheit zu vollkommener Religiotie mißbraucht wird, während die größere ideologische Geschlossenheit des Katholizismus ein relativer Schutz gegen den extremen Nationalismus der Nazis bedeutete. Man blieb halt beim traditionellen Antijudaismus, während manche Protestanten schon früh eine Neigung zum "moderneren" Antisemitismus entwickelten. An der Kohabitation beider Kirchen mit dem Nazi-Regime änderte das allerdings nix, und an der blinden Gefolgschafttreue der Mehrzahl ihrer Schäfchen zum Gröfaz leider auch nicht.

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 Betreff des Beitrags: Re: Luther, eine Polemik
BeitragVerfasst: Mo 12. Jan 2015, 13:49 
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Noch ein kleiner Nachtrag zu Luther. Vielleicht ist es bei ihm wie bei vielen "Neuerern". Seine Bedeutung liegt nicht so sehr in dem, was er als Antworten gab, als in den Fragen, die er gestellt hat, in dem, was er in Frage gestellt hat.

Seine Außerungen zu Bauern, Juden, Hexen, usw. waren nicht nur nicht seiner Zeit voraus, sondern ihr oftmals hinterher. Zu seiner Ablehnung des Papsttums, der sakralen Rolle von Priestern, des vierfachen Schriftsinns, der Verehrung von Heiligen und Reliquien sowie seine Forderung nach einer Freiwilligkeit des Glaubens hat sich jedenfalls, mit Ausnahme des letzteren, die RKK bis heute nicht durchringen können.

Insofern hat sich Luther um die Entmystifizierung des Christentums, in gewisser Weise sogar, wenn auch unabsichtlich, um die Säkularisierung verdient gemacht.

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 Betreff des Beitrags: Re: Luther, eine Polemik
BeitragVerfasst: Mo 12. Jan 2015, 18:24 
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Hallo Marcellinus,wenn es hier sowas gäbe wie eine Perle für einen guten beitrag, ich denke, mit diesem Beitrag hier hättest Du Dir eine ganze Perlenkette verdient.
ullr, immer wieder von Fachkenntnis begeistert seiend.

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 Betreff des Beitrags: Re: Luther, eine Polemik
BeitragVerfasst: Mo 12. Jan 2015, 20:14 
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ullr hat geschrieben:

Vielen Dank für die Blumen. Leider fehlt es an bißchen an Publikum. Aber so ist es nun mal. Dafür muß man nicht jedes Wort so auf die Goldwaage legen. Hat ja auch was. ;)

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 Betreff des Beitrags: Re: Luther, eine Polemik
BeitragVerfasst: Fr 10. Jul 2015, 20:02 
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Beiträge: 60
Marcellinus hat geschrieben:
Noch ein kleiner Nachtrag zu Luther. Vielleicht ist es bei ihm wie bei vielen "Neuerern". Seine Bedeutung liegt nicht so sehr in dem, was er als Antworten gab, als in den Fragen, die er gestellt hat, in dem, was er in Frage gestellt hat.

Seine Außerungen zu Bauern, Juden, Hexen, usw. waren nicht nur nicht seiner Zeit voraus, sondern ihr oftmals hinterher. Zu seiner Ablehnung des Papsttums, der sakralen Rolle von Priestern, des vierfachen Schriftsinns, der Verehrung von Heiligen und Reliquien sowie seine Forderung nach einer Freiwilligkeit des Glaubens hat sich jedenfalls, mit Ausnahme des letzteren, die RKK bis heute nicht durchringen können.
Insofern hat sich Luther um die Entmystifizierung des Christentums, in gewisser Weise sogar, wenn auch unabsichtlich, um die Säkularisierung verdient gemacht.



Warum auch....das Dasein braucht das Antipodische. So wie Luther als Reformator antipodische Standpunkte vertrat, muss die RKK antipodische Standpunkte zu den Dingen, die gerade angesagt sind, mit transportieren. Das macht es doch erst spannend.

Säkularisation bedeutet ja nicht, das die Gegensätzlichkeit aus der Welt verschwindet.....Das Schlimme an der Säkularisation ist ja, dass die Gegensätzlichkeiten sich als beliebige Luftnummern gut aufstellen können. Niemand mehr die Chuzpe besitzt, da was an Anti entgegen zusetzen. Säkularisation hat ja wenig Fortschritt gebracht.....der Fortschritt besteht ja eigentlich nur im Zuwachs des "Alles is irgendwie egal" ...... ... jeder ist halt sein eigener Jott-... was zum IS wieder führt.

......ach Jott auch Jott oder vielleicht nur face- jott geliked ? :)

so mal flapsig genassredint...

( Willibrord Kerkeling)
:D


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