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 Betreff des Beitrags: Re: Der heilige Geist
BeitragVerfasst: Do 18. Apr 2013, 14:47 
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Zuletzt geändert von Alice am So 11. Aug 2013, 05:02, insgesamt 1-mal geändert.

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 Betreff des Beitrags: Re: Der heilige Geist
BeitragVerfasst: Do 18. Apr 2013, 18:09 
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Bereits Paulus spricht von einer "Unterscheidung der Geister".
Das ist ein sehr nützliches Verfahren. Der Gläubige soll in sich hineinhorchen, ob seine Motive einem guten oder einem schlechten Geist entspringen. Nicht jede begeisternde Idee kommt vom heiligen Geist. Auch Ungeister und Abergeister reden uns Sachen ein und motivieren.

Ein Teil der Handlungen Jesu war das Austreiben böser Geister. Davon bin ich immer noch sehr begeistert. Jesus kann dadurch nämlich nicht den besessenen Menschen schelten, sondern da ergibt sich eine Distanz zwischen dem Ungeist und dem Menschen. Dem Menschen kann er helfen. Den Ungeist kann er schelten oder ihn bedrohen. Schade, dass dann bis zum Mittelalter diese Form des Exorzismus so dermaßen entartet wurde, dass man heutzutage bei dem Wort "Dämon", "Abergeist", "Besessenheit" oder "Exorzismus" nur die allerwüstesten Assoziationen bekommt. Was ursprünglich eine sehr menschenfreundliche und respektvolle Hilfestellung war, wurde zur Quälerei. Bis hin zum Exorzismus mit Todesfolge. So ungefähr die Logik: Dem Ungeist heize ich ein, indem ich den Menschen quäle.

Bis ins 4. Jahrhundert hat sich eine ganz brauchbare Geisterlehre entwickelt. In seiner Lasterlehre beschreibt Evagrius Ponticus (eben 4. Jahrhundert, Mönchsvater), dass hinter allen Tugenden und Lastern die entsprechenden Geister stecken. Er macht drei verschiedene Geisterquellen aus und lehrt, wie man sie durch Erfahrung unterscheidet.

Tugenden wie auch Laster rühren entweder ...
1. von engelsgleichen Geistern,
2. von menscheneigenen Geistern oder
3. von dämonischen Geistern.

Wenn man also von irgendetwas begeistert ist, soll man sich fragen: Aus welchem dieser drei Geister rührt die Be-Geisterung?

Die dämonisch hervorgerufene Begeisterung erkennt man an den Emotionen. Emotion = das, was aus einem herausbricht, mit starkem Drang und - das ist für Evagrius besonders wichtig - aufwühlend. Man kann sich kaum dagegen wehren. Ein inbrünstig geschmettertes "Heil Hitler!" wäre ein ganz gutes Beispiel dafür. Oder "Denen werd' ich mal zeigen, wo der Bartel den Most holt!". Aber auch Tatvorstellungen aus Angst und Sorge (aufwühlend) zählen in diesen Bereich. Das sind die Einflüsterungen von Dämonen! Sei vorsichtig! Glaub ihnen nicht alles! Spüre lieber weiter in Dir nach und suche nach der Stimme der Engel, der guten Geister oder sogar nach der Stimme des heiligen Geistes Gottes!

Die menscheneigenen Geister sind dagegen eigentümlich indifferent und auch ein wenig kraftlos. Es sind nüchterne Erkenntnisse. 2+2=4. Wie aufregend. Aber auch in diesem Bereich können sich Dämonen schnell einnisten: Das begeisterte archimedische "heureka", also das große Aha-Erlebnis deutet darauf hin, dass sich die Dämonen zu rühren beginnen. Und tatsächlich besteht die Gefahr, dass man sich der Selbstüberschätzung oder gar der Überheblichkeit zuwendet. Sei damit nicht zufrieden! Suche weiter nach der Stimme der guten Geister!

Die engelhaften Geister dagegen erkennt man daran, dass sie sehr wohl motivieren, aber nicht durch einen aufwühlenden Sturm und Drang, sondern durch eine Art "einrastende Klarheit". Man spürt, dass etwas ganz und gar stimmig ist. Jepp, so muss es sein. Jepp, genau das will ich jetzt tun, das ist jetzt dran. Die von Engeln oder anderen guten Geistern begründeten Gedanken verleihen das sehr charakteristische Gefühl, mit der ganzen Person hinter etwas stehen zu können. Kein Zwiespalt wie "ja, es tut mir zwar um mein Opfer leid, aber das muss jetzt sein!".


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 Betreff des Beitrags: Re: Der heilige Geist
BeitragVerfasst: Do 18. Apr 2013, 18:50 
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Beiträge: 140
Mecky hat geschrieben:
Bereits Paulus spricht von einer "Unterscheidung der Geister".
Das ist ein sehr nützliches Verfahren. Der Gläubige soll in sich hineinhorchen, ob seine Motive einem guten oder einem schlechten Geist entspringen. Nicht jede begeisternde Idee kommt vom heiligen Geist. Auch Ungeister und Abergeister reden uns Sachen ein und motivieren.

Häh? Das würde ja bedeuten, es gäbe 'das Gute' und 'das Schlechte/Böse' und das zu behaupten ist doch sehr kurz gedacht. Da ist ja der Volksmund klüger... 'Des einen Freud, des andern Leid'

Sehr nett illustriert das eine Geschichte von Roald Dahl... 'Genesis and Catastrophe'


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 Betreff des Beitrags: Re: Der heilige Geist
BeitragVerfasst: Do 18. Apr 2013, 18:55 
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Beiträge: 771
Mecky hat geschrieben:
Bis ins 4. Jahrhundert hat sich eine ganz brauchbare Geisterlehre entwickelt. In seiner Lasterlehre beschreibt Evagrius Ponticus (eben 4. Jahrhundert, Mönchsvater), dass hinter allen Tugenden und Lastern die entsprechenden Geister stecken. Er macht drei verschiedene Geisterquellen aus und lehrt, wie man sie durch Erfahrung unterscheidet.

Tugenden wie auch Laster rühren entweder ...
1. von engelsgleichen Geistern,
2. von menscheneigenen Geistern oder
3. von dämonischen Geistern.
[...]
Die menscheneigenen Geister sind dagegen eigentümlich indifferent und auch ein wenig kraftlos.

Sorry, Mecky, alle Geister sind "menscheneigen", also menschengemacht.

_________________
"Mangel an historischem Sinn ist der Erbfehler aller Philosophen ... Alles aber ist geworden;
es gibt keine ewigen Tatsachen: sowie es keine absoluten Wahrheiten gibt."


- Friedrich Nietzsche


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 Betreff des Beitrags: Re: Der heilige Geist
BeitragVerfasst: Do 18. Apr 2013, 19:10 
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Beiträge: 8
Gefällt mir gut - Deine Darlegung - Danke Mecky.

Mecky hat geschrieben:
Die engelhaften Geister dagegen erkennt man daran, dass sie sehr wohl motivieren, aber nicht durch einen aufwühlenden Sturm und Drang, sondern durch eine Art "einrastende Klarheit". Man spürt, dass etwas ganz und gar stimmig ist. Jepp, so muss es sein. Jepp, genau das will ich jetzt tun, das ist jetzt dran. Die von Engeln oder anderen guten Geistern begründeten Gedanken verleihen das sehr charakteristische Gefühl, mit der ganzen Person hinter etwas stehen zu können. Kein Zwiespalt wie "ja, es tut mir zwar um mein Opfer leid, aber das muss jetzt sein!".


Eigentlich muss ich nur das wissen und kann das andere sein lassen :).


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 Betreff des Beitrags: Re: Der heilige Geist
BeitragVerfasst: Do 18. Apr 2013, 21:51 
Mecky hat geschrieben:
Domingo hat geschrieben:
Edit: Ich kann aber sehr gut verstehen, warum das fuer einen Englischsprachigen komisch klingt.

Es wäre wohl gut gewesen, ein wenig früher Dich zu Rate zu ziehen.


*lach*

Naja, es kommt auch darauf an, wie frueher. Ich habe nicht immer in einem englischsprachigen Land gelebt. Mittlerweile habe ich eine gewisse Vertrautheit mit der Sprache erreicht, die frueher nicht da war.


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 Betreff des Beitrags: Re: Der heilige Geist
BeitragVerfasst: So 21. Apr 2013, 00:42 
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Registriert: Mi 17. Apr 2013, 08:20
Beiträge: 114
Laut Lexikon geht "Geist" auf ein indisches Wort für "Angst" zurück, während "spirit" nur das lateinische Wort für "Atem" ist.

http://en.wiktionary.org/wiki/Appendix:Proto-Germanic/gaistaz
http://en.wiktionary.org/wiki/spiritus


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 Betreff des Beitrags: Re: Der heilige Geist
BeitragVerfasst: Di 23. Apr 2013, 17:44 
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Ich mag keine Geister. Weder heilige noch unheilige. Wenn ich mal einen erwischen sollte, wird er sein Geisterdasein verfluchen.


mürrischend..........tribald


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 Betreff des Beitrags: Re: Der heilige Geist
BeitragVerfasst: Sa 4. Mai 2013, 19:57 
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Ist das nun ein Plädoyer für Geistlosigkeit, oder entgeistert Dich das Thema nur so sehr, dass Du keine rechte Begeisterung dafür aufbringen kannst?


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 Betreff des Beitrags: Re: Der heilige Geist
BeitragVerfasst: So 5. Mai 2013, 12:23 
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Beiträge: 226
Mecky hat geschrieben:
Ist das nun ein Plädoyer für Geistlosigkeit, oder entgeistert Dich das Thema nur so sehr, dass Du keine rechte Begeisterung dafür aufbringen kannst?


:D Mein Beitrag ist dem Umstand geschuldet, dass ich im Moment etwas entgeistert dem Zerfall meines Bodys zuschaue. Meine Begeisterung darüber hält sich in Grenzen.
Davon mal abgesehen, zeugt meiner Meinung nach der Glaube an Geister von einem gewissen Mangel an Geist.

vom dem im Augenblick durchaus schönen und ansprechendem Wetter allerdings ohne wenn und aber begeistert seiend..............tribald


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