Aktuelle Zeit: Mo 23. Apr 2018, 20:20

Alle Zeiten sind UTC + 1 Stunde




Ein neues Thema erstellen Auf das Thema antworten  [ 6 Beiträge ] 
Autor Nachricht
 Betreff des Beitrags: Evolutionspsychologie
BeitragVerfasst: Mi 26. Aug 2015, 03:47 
Offline
Administrator

Registriert: Do 2. Mai 2013, 21:00
Beiträge: 217
http://hpd.de/node/15885

Hatten wir das schon :?:

Jedenfalls scheint Evo-Psychologie ein sehr kontroverses Diskussionsfeld unter Atheisten, jedenfalls hier in Nordamerika. Da stoesst die dezidiert linke Ideologie, and der die meisten Atheisten/Saekularen nach meinem Eindruck festhalten, mit eher szientistischen Ansaetzen zusammen, oder auch mit Leuten, die eine "neue Linke" entwickeln moechten, welche sich vornehmlich auf wissenschaftliche Erkenntisse stuetzt.


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: Evolutionspsychologie
BeitragVerfasst: Mi 26. Aug 2015, 08:34 
Offline
Benutzeravatar

Registriert: So 14. Apr 2013, 09:59
Beiträge: 771
Domingo hat geschrieben:
http://hpd.de/node/15885

Hatten wir das schon :?:

Jedenfalls scheint Evo-Biologie ein sehr kontroverses Diskussionsfeld unter Atheisten, jedenfalls hier in Nordamerika. Da stoesst die dezidiert linke Ideologie, and der die meisten Atheisten/Saekularen nach meinem Eindruck festhalten, mit eher szientistischen Ansaetzen zusammen, oder auch mit Leuten, die eine "neue Linke" entwickeln moechten, welche sich vornehmlich auf wissenschaftliche Erkenntisse stuetzt.


Ich weiß nicht, ob es hier schon diskutiert wurde, aber alt ist das Thema schon. Es streiten sich in der säkularen Szene vor allem zwei Positionen (Achtung: hoffnungslose Vereinfachung!): die "Physiker", die einen physikalischen Reduktionismus predigen, und die "Evolutionsbiologen", die so begeistert von der Schlappe sind, die Darwin den Religiösen beigebracht hat, daß nun alles für sie "Evolution" ist.

Das aus meiner Sicht eigentliche Problem ist das Fehlen einer sozialwissenschaftlichen Sicht. Lange Zeit dominierte da der Marxismus, der sich allerdings selbst diskreditiert hat. Deshalb und weil ein anerkanntes und leistungsfähiges soziologisches Forschungsprogramm gegenwärtig fehlt, orientieren sich viele an Modellvorstellungen, die für die Erklärung der biologischen Ebene unseres Universums angemessen sein mögen.

Nur ist es eine nicht zu leugnende Tatsache, daß die Gattung Homo Sapiens in den letzten Jahrtausenden eine soziale Entwicklung durchgemacht hat, nicht nur in ihrem Wissen, ihrer Art, Gesellschaften zu bilden, sondern auch in ihrem gesamten psychosozialen Habitus, ohne daß sich ihre biologische Struktur wesentlich geändert hätte. Man hat also nur die Wahl, das zu ignorieren, oder zur Kenntnis zu nehmen, daß biologistische Erklärungsversuche sozialer Tatsachen, und Religionen gehören sicherlich dazu, gar nichts erklären. Die biologische Evolution, so wichtig sie ist für die Entwicklung unserer Art, zur Erklärung heranzuziehen für das, was uns unterscheidet, ist schon eine seltsame Verirrung.

_________________
"Mangel an historischem Sinn ist der Erbfehler aller Philosophen ... Alles aber ist geworden;
es gibt keine ewigen Tatsachen: sowie es keine absoluten Wahrheiten gibt."


- Friedrich Nietzsche


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: Evolutionspsychologie
BeitragVerfasst: Mi 2. Sep 2015, 16:44 
Offline
Benutzeravatar

Registriert: Mi 17. Apr 2013, 18:53
Beiträge: 140
Das angesprochene Problem betrifft gar nicht so direkt die Evolutionsbiologie, sondern die 'Evolutionspsychologie'. Und da ist das Problem, dass die naturwissenschaftliche Ausbildung in den psychologischen Fachbereichen oft schlecht ist und eine Art 'Küchenevolution' hantiert wird.

Erst kürzlich wurde eine Studie veröffentlicht die zu dem Ergebnis kam: Mehr als die Hälfte der Ergebnisse ist nicht reproduzierbar
Die unrühmliche Spitze dieses Eisbergs war Diederik Stapel - einstmals gefeierter Sozialpsychologe aus Tilburg.

Die Betrugsfälle die allgemein auch in naturwissenschaftlichen Fächern immer häufiger aufgedeckt werden, werden zunehmend zum Problem. Die Wissenschaftsgemeinde befindet sich z.Z. in Diskussion wie dem zu begegnen ist. (wer sich dafür interessiert kann öfter mal bei 'Retraction Watch' rein schauen) Z.B. ändert sich z.Z. etwas am Zitiermodus und es wird immer mehr erwartet, dass die 'Material und Methoden' und die 'erhaltenen Rohdaten' ebenfalls veröffentlicht werden (idR dann auf Internetseiten der Fachzeitschrift).


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: Evolutionspsychologie
BeitragVerfasst: Do 3. Sep 2015, 00:00 
Offline
Administrator

Registriert: Do 2. Mai 2013, 21:00
Beiträge: 217
rhabarbarum hat geschrieben:
Das angesprochene Problem betrifft gar nicht so direkt die Evolutionsbiologie, sondern die 'Evolutionspsychologie'.


Du hast recht - haeufiger Verschreiber in meinem Post, wie ich gerade sehe. Ich werde wenigstens den Titel aendern.

Edit: Was meinst du aber zu der Behauptung vieler "Progressiven" hier, Evo-Psych sei gar keine Wissenschaft, sondern durch und durch pseudowissenschaftlich? (Im Gegensatz zu: Das Fach hat Probleme, ist aber an und fuer sich durchaus wissenschaftlich.)


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: Evolutionspsychologie
BeitragVerfasst: Sa 5. Sep 2015, 09:13 
Offline
Benutzeravatar

Registriert: Mi 17. Apr 2013, 18:53
Beiträge: 140
Domingo hat geschrieben:
..., Evo-Psych sei gar keine Wissenschaft, sondern durch und durch pseudowissenschaftlich? (Im Gegensatz zu: Das Fach hat Probleme, ist aber an und fuer sich durchaus wissenschaftlich.)

Es durch und durch pseudowissenschaftlich zu nennen - soweit würde ich nicht gehen. Du hast Recht - das Fach hat Probleme.

Schwierig ist, dass dort häufig 'Story telling' betrieben wird (Hat sich Stephen Jay Gould schon drüber ausgelassen). Klar, manche Erklärung wie sich unser Verhalten entwickelt hat, hört sich sehr schlüssig an, leider ist das meiste aber mit nichts zu belegen und Behauptungen sind nur sehr schwer zu testen.
Ein sehr mühsames Geschäft, da sich Tierexperimente nur bedingt eignen und viele Menschenversuche ethisch nicht vertretbar sind.
Die Psychologie ganz allgemein muss sich anpassen und mehr naturwissenschaftlich ausrichten. In den USA passiert das in den letzten Jahren auch immer mehr, in Europa oft noch nicht. Da ist der Psychologische Fachbereich oft noch den Geisteswissenschaften zu geordnet und die biologische Basisausbildung so gut wie nicht existent.

Und ein weiteres Problem sehe ich in den Medien. Die Evolution des Menschen ist für viele sehr interessant, Veröffentlichungen in dem Gebiet schaffen es meist schnell in Magazine und Zeitungen.
Und da fangen dann schon die ersten 'Umformulierungen' an. Aus '...könnte eine Ursache sein...' wird '...ist die Ursache...' und aus statistischen Wahrscheinlichkeiten werden gültige Wahrheiten. Und was dann bei den Leuten die es lesen ankommt ist gar nicht mehr zu kontrollieren.

Ganz schlimm ist das in den letzten Jahren wie ein Krebsgeschwür wachsende und infiltrierende Gender-Mainstream - die machen sich's einfach und bestreiten jeglichen biologischen Einfluss auf (männliches und weibliches) Verhalten. :shock:


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: Evolutionspsychologie
BeitragVerfasst: Sa 5. Sep 2015, 09:38 
Offline
Benutzeravatar

Registriert: Mi 17. Apr 2013, 18:53
Beiträge: 140
Marcellinus hat geschrieben:
...die "Evolutionsbiologen", ..., daß nun alles für sie "Evolution" ist.

Na ja, ja, stimmt ja auch Bild
„Nichts in der Biologie ergibt einen Sinn außer im Licht der Evolution.“
(Theodosius Dobzhansky)

Und da alles Biologie als Basis hat (so wie die Biologie Physik und Chemie als Basis hat) muss die Evolution immer einbezogen werden.

Marcellinus hat geschrieben:
Das aus meiner Sicht eigentliche Problem ist das Fehlen einer sozialwissenschaftlichen Sicht.

Das sehe ich auch so. Allerdings kann eine sinnige sozialwissenschaftliche Sicht nur unter Einbeziehung der Biologie (Chemie, Physik) entstehen.

Denn z.B. der von dir angesprochene Marxismus ist genau daran unter gegangen - er hat sich ein an einem völlig unrealistischen Menschenbild orientiert. Der Kapitalismus ist da geringfügig besser, aber eben auch nur geringfügig.

Marcellinus hat geschrieben:
...in ihrem gesamten psychosozialen Habitus, ohne daß sich ihre biologische Struktur wesentlich geändert hätte. Man hat also nur die Wahl, das zu ignorieren, oder zur Kenntnis zu nehmen, daß biologistische Erklärungsversuche sozialer Tatsachen, und Religionen gehören sicherlich dazu, gar nichts erklären. Die biologische Evolution, so wichtig sie ist für die Entwicklung unserer Art, zur Erklärung heranzuziehen für das, was uns unterscheidet, ist schon eine seltsame Verirrung.

Ob und wie sich die biologische Struktur verändert hat ist noch die Frage. Definiere z.B. 'wesentlich'. Wahrscheinlich sind wichtige Veränderungen gar nicht oder nur sehr schwer nachweisbar, weil genetisch bzw. epigenetischer Art.
Und es ist falsch, dass die biologische Evolution 'gar nichts erklärt'. Klar erklärt sie auch in in Bezug auf soziale Tatsachen und Religionen einiges - nur eben nicht alles. So wie die Biologie die Physik und die Chemie/Biochemie braucht um vollständige Erklärungen zu liefern.
Eine Sozialwissenschaft die glaubt die biologische Evolution bei Erklärungen außen vor lassen zu können hat schon im Ansatz verloren - das nenne ich eine 'seltsame Verirrung'


Nach oben
 Profil  
 
Beiträge der letzten Zeit anzeigen:  Sortiere nach  
Ein neues Thema erstellen Auf das Thema antworten  [ 6 Beiträge ] 

Alle Zeiten sind UTC + 1 Stunde


Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: Google [Bot] und 1 Gast


Du darfst keine neuen Themen in diesem Forum erstellen.
Du darfst keine Antworten zu Themen in diesem Forum erstellen.
Du darfst deine Beiträge in diesem Forum nicht ändern.
Du darfst deine Beiträge in diesem Forum nicht löschen.

Suche nach:
Gehe zu:  
cron
Powered by phpBB® Forum Software © phpBB Group
Deutsche Übersetzung durch phpBB.de
Impressum

Mit freundlicher Unterstützung von LeMega - Audio Cuisine