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 Betreff des Beitrags: Re: Der schwere Weg
BeitragVerfasst: Do 19. Mär 2015, 09:46 
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Pelagius hat geschrieben:
Marcellinus hat geschrieben:
ullr hat geschrieben:
Naja, auch die Poppersche Richtung ist eine Weltanschauung. Und sie stimmt ganz gut mit der wirklichen Welt überein.

Da habe ich so meine Zweifel, auch wenn der Kontrast nicht so krass ist wie bei den Religionen. ;)
Welche Zweifel bestehen? Dass die Poppersche Richtung eine Weltanschauung ist, oder dass sie mit der »wirklichen Welt« übereinstimmt, oder dass ... So viel ich weiß, handelt es sich um eine philosophische Erkenntnistheorie unter vielen, und Philosophie kann so ganz nutzlos dann nicht sein.

Du meinst, Philosophien müssen nützlich sein, weil es so viele verschiedene gibt? ;)

Ich denke, es gibt ein Problem, wenn sich etwas Erkenntnis- oder Wissenschaftstheorie nennt, ohne theoretisch zu verarbeiten, wie Erkenntnis oder Wissenschaften nachprüfbar funktionieren, ja, dies nicht einmal beabsichtigt ist.

"Und nicht aus diesem Grund verwerfen wir es [das Induktionsprinzip], weil in der Wissenschaft ein solches Prinzip tatsächlich nicht angewendet wird, sondern weil wir seine Einführung für überflüssig, unzweckmäßig, ja, für widerspruchsvoll halten"
(Karl Popper, Logik der Forschung)

Und am gleichen Ort:
"Wir geben also offen zu, daß wir uns bei unseren Festsetzungen in letzter Linie von unserer Wertschätzung, von unserer Vorliebe leiten lassen."

Kurz: Popper geht es nicht darum, zu erklären, wie Wissenschaften nachprüfbar funktionieren, sondern wie sie seiner Ansicht nach funktionieren sollten! Mit Erkenntnis oder Realitätskongruenz hat das sicher nichts zu tun.

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"Mangel an historischem Sinn ist der Erbfehler aller Philosophen ... Alles aber ist geworden;
es gibt keine ewigen Tatsachen: sowie es keine absoluten Wahrheiten gibt."


- Friedrich Nietzsche


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 Betreff des Beitrags: Re: Der schwere Weg
BeitragVerfasst: Do 19. Mär 2015, 20:11 
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Ich lese sehr gerne Diskussionen im Forum mit ohne mich einzumischen.
Es erstaunt mich aber immer wieder, dass Philosophie als überholt und unwissenschaftlich abgetan wird, andererseits aber darauf hingewiesen wird, dass wissenschaftliche Aussagen entweder nachprüfbar oder falsifizierbar sein müssen/sollen ... welche philosophische Theorie kommt da zur Anwendung, Carnap oder Popper? Vielleicht beide gleichzeitig? So weit mir bekannt ist, haben beide Theorien ihre Tücken.

Dann verstehe ich deinen Gedanken nicht so recht:
Marcellinus hat geschrieben:
Ich denke, es gibt ein Problem, wenn sich etwas Erkenntnis- oder Wissenschaftstheorie nennt, ohne theoretisch zu verarbeiten, wie Erkenntnis oder Wissenschaften nachprüfbar funktionieren, ja, dies nicht einmal beabsichtigt ist.

Vielleicht kannst du eine kleine Erläuterung anfügen
Gruß/Pelagius.

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 Betreff des Beitrags: Re: Der schwere Weg
BeitragVerfasst: Do 19. Mär 2015, 20:40 
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Pelagius hat geschrieben:
Ich lese sehr gerne Diskussionen im Forum mit ohne mich einzumischen.
Es erstaunt mich aber immer wieder, dass Philosophie als überholt und unwissenschaftlich abgetan wird, andererseits aber darauf hingewiesen wird, dass wissenschaftliche Aussagen entweder nachprüfbar oder falsifizierbar sein müssen/sollen ... welche philosophische Theorie kommt da zur Anwendung, Carnap oder Popper? Vielleicht beide gleichzeitig? So weit mir bekannt ist, haben beide Theorien ihre Tücken.

Keiner von beiden hat die Wissenschaften erfunden. Wissenschaftliches Arbeiten in den theoretisch-empirischen Wissenschaften ist ein Wechsel von Induktion und Deduktion, von Tatsachenbeobachtung und Theoriebildung, wobei ein Wissensgebiet erst beginnt erfolgreich zu sein, sobald die auf diesem Gebiet arbeitenden Forscher sich auf eine grundlegende Theorie ihres Fachgebietes einigen können und - das ist entscheidend - diese Theorie auch funktioniert!

In der Astronomie war das die Theorie von Kopernikus, in der Physik allgemein die von Isaac Newton, in der Biologie die Theorien von Darwin und Wallace, und in den Sozialwissenschaften fehlt eine solche Theorie bis heute, weshalb jede Generation von Sozialwissenschaftlern theoretisch immer wieder von neuem anfängt. Mit einem Begriff von Harald Lesch könnte man dieses Stadium das einer "Inventurwissenschaft" nennen. Man sammelt zwar unentwegt zu Teil gut belegte Fakten, doch fehlen erprobte und erfolgreiche Modelle von Zusammenhängen. Eine Zeit lang haben Sozialwissenschaftler den Marxismus für eine solche Theorie gehalten, was sich allerdings als Irrtum herausgestellt hat.

Theoretisch-empirische Wissenschaften wie die Physik oder Biologie sind soziale Prozesse, in deren Verlauf Wissenschaftler immer umfassender empirisch beobachtbare Tatsachen theoretisch zu nachprüfbaren Modellen zusammenfassen, die die Zusammenhänge zwischen diesen Tatsachenbeobachtungen darstellen.

Die Art der Zusammenhänge, der Charakter der Theorien und die Methoden der Überprüfung hängen dabei von den jeweiligen Fachgebieten ab. Daß das etwas mit Philosophie zu tun habe, meinen nur Philosophen.

Pelagius hat geschrieben:
Dann verstehe ich deinen Gedanken nicht so recht:
Marcellinus hat geschrieben:
Ich denke, es gibt ein Problem, wenn sich etwas Erkenntnis- oder Wissenschaftstheorie nennt, ohne theoretisch zu verarbeiten, wie Erkenntnis oder Wissenschaften nachprüfbar funktionieren, ja, dies nicht einmal beabsichtigt ist.

Vielleicht kannst du eine kleine Erläuterung anfügen

Du hast meinen vorherigen Post gelesen? Popper schreibt ziemlich deutlich, daß es ihm nicht darum geht, zu beschreiben (von erklären gar nicht zu reden), wie Wissenschaften in der Wirklichkeit funktionieren, sondern er meint ihnen vorschreiben zu können, wie sie funktionieren sollten! Das ist eben nicht Wissenschaft, sondern Philosophie, oder eine Weltanschauung, die darunter leidet, daß sie die Welt eben nicht anschaut. ;)

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 Betreff des Beitrags: Re: Der schwere Weg
BeitragVerfasst: Do 19. Mär 2015, 21:27 
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Pelagius hat geschrieben:
Welche Zweifel bestehen? Dass die Poppersche Richtung eine Weltanschauung ist?


Ich fuer mein Teil haette hierueber Zweifel. ich dachte, Popper hat nur ein Kriterium aufgestellt, um Wissenschaft von Nichtwissenschaft zu unterscheiden. Reicht das jetzt, um eine "Weltanschauung" auszumachen?


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 Betreff des Beitrags: Re: Der schwere Weg
BeitragVerfasst: Do 19. Mär 2015, 21:47 
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Registriert: Di 17. Mär 2015, 19:16
Beiträge: 60
Marcellinus hat geschrieben:
Pelagius hat geschrieben:
Ich lese sehr gerne Diskussionen im Forum mit ohne mich einzumischen.
Es erstaunt mich aber immer wieder, dass Philosophie als überholt und unwissenschaftlich abgetan wird, andererseits aber darauf hingewiesen wird, dass wissenschaftliche Aussagen entweder nachprüfbar oder falsifizierbar sein müssen/sollen ... welche philosophische Theorie kommt da zur Anwendung, Carnap oder Popper? Vielleicht beide gleichzeitig? So weit mir bekannt ist, haben beide Theorien ihre Tücken.

Keiner von beiden hat die Wissenschaften erfunden. Wissenschaftliches Arbeiten in den theoretisch-empirischen Wissenschaften ist ein Wechsel von Induktion und Deduktion, von Tatsachenbeobachtung und Theoriebildung, wobei ein Wissensgebiet erst beginnt erfolgreich zu sein, sobald die auf diesem Gebiet arbeitenden Forscher sich auf eine grundlegende Theorie ihres Fachgebietes einigen können und - das ist entscheidend - diese Theorie auch funktioniert!

In der Astronomie war das die Theorie von Kopernikus, in der Physik allgemein die von Isaac Newton, in der Biologie die Theorien von Darwin und Wallace, und in den Sozialwissenschaften fehlt eine solche Theorie bis heute, weshalb jede Generation von Sozialwissenschaftlern theoretisch immer wieder von neuem anfängt. Mit einem Begriff von Harald Lesch könnte man dieses Stadium das einer "Inventurwissenschaft" nennen. Man sammelt zwar unentwegt zu Teil gut belegte Fakten, doch fehlen erprobte und erfolgreiche Modelle von Zusammenhängen. Eine Zeit lang haben Sozialwissenschaftler den Marxismus für eine solche Theorie gehalten, was sich allerdings als Irrtum herausgestellt hat.

Theoretisch-empirische Wissenschaften wie die Physik oder Biologie sind soziale Prozesse, in deren Verlauf Wissenschaftler immer umfassender empirisch beobachtbare Tatsachen theoretisch zu nachprüfbaren Modellen zusammenfassen, die die Zusammenhänge zwischen diesen Tatsachenbeobachtungen darstellen.

Die Art der Zusammenhänge, der Charakter der Theorien und die Methoden der Überprüfung hängen dabei von den jeweiligen Fachgebieten ab. Daß das etwas mit Philosophie zu tun habe, meinen nur Philosophen.

Pelagius hat geschrieben:
Dann verstehe ich deinen Gedanken nicht so recht:
Marcellinus hat geschrieben:
Ich denke, es gibt ein Problem, wenn sich etwas Erkenntnis- oder Wissenschaftstheorie nennt, ohne theoretisch zu verarbeiten, wie Erkenntnis oder Wissenschaften nachprüfbar funktionieren, ja, dies nicht einmal beabsichtigt ist.

Vielleicht kannst du eine kleine Erläuterung anfügen

Du hast meinen vorherigen Post gelesen? Popper schreibt ziemlich deutlich, daß es ihm nicht darum geht, zu beschreiben (von erklären gar nicht zu reden), wie Wissenschaften in der Wirklichkeit funktionieren, sondern er meint ihnen vorschreiben zu können, wie sie funktionieren sollten! Das ist eben nicht Wissenschaft, sondern Philosophie, oder eine Weltanschauung, die darunter leidet, daß sie die Welt eben nicht anschaut. ;)


Ich finde die Suche nach einer besseren Welt unter positiven Vorzeichen noch nicht als Weltanschauung..........eher als eine Versuchsanordnung. Deshalb mögen einige Wissenschaftler den Meister....andere nicht, weil er deren Anordnung stört.......besonders religiös Unmusikalische mögen den Meister nicht, weil sein Versuch der Suche so was "theologisches" hat........


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 Betreff des Beitrags: Re: Der schwere Weg
BeitragVerfasst: Do 19. Mär 2015, 22:00 
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Domingo hat geschrieben:
Pelagius hat geschrieben:
Welche Zweifel bestehen? Dass die Poppersche Richtung eine Weltanschauung ist?

Ich fuer mein Teil haette hierueber Zweifel. ich dachte, Popper hat nur ein Kriterium aufgestellt, um Wissenschaft von Nichtwissenschaft zu unterscheiden. Reicht das jetzt, um eine "Weltanschauung" auszumachen?

Oh, ein bißchen mehr ist es schon, wie man schon an den wenigen Zitaten sehen kann. Für Popper ist die Welt, die Wissenschaften zu erklären versuchen, ein strukturloser Morast, ein "Sumpfland" ohne "natürlichen, gegebenen Grund". Da Theorien sich nicht mit empirischen Tatsachen belegen lassen, findet er die Quellen der Sicherheit in den "Gesetzen der Logik" und Logik zur Überprüfung von Theorien. So heißt eines seiner Werke auch: "Logik der Forschung".

Was Popper eigentlich versucht, ist, die theoretisch-empirischen Wissenschaften aus zweigleisigen in eingleisige umzuinterpretieren. Während er einerseits der Welt menschlicher Ideen in seiner Drei-Welten-Theorie eine Existenz quasi unabhängig von Menschen anzudichten, ist die von Menschen unabhängige Wirklichkeit für ihn ein "Sumpf". Wenn das keine Weltanschauung ist, weiß ich es nicht.

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 Betreff des Beitrags: Re: Der schwere Weg
BeitragVerfasst: Do 19. Mär 2015, 22:01 
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abbaJazz hat geschrieben:
Ich finde die Suche nach einer besseren Welt unter positiven Vorzeichen noch nicht als Weltanschauung..........eher als eine Versuchsanordnung. Deshalb mögen einige Wissenschaftler den Meister....andere nicht, weil er deren Anordnung stört.......besonders religiös Unmusikalische mögen den Meister nicht, weil sein Versuch der Suche so was "theologisches" hat........

Seine Theorien sind einfach falsch! Das hat mit "mögen" nichts zu tun.

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 Betreff des Beitrags: Re: Der schwere Weg
BeitragVerfasst: Do 19. Mär 2015, 23:23 
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Ich kapiere das nicht. Wenn der Erfinder des Dosenöffners behauptet hätte, dass man damit auch Safes knacken kann, hätte er natürlich Unrecht gehabt. Aber Dosen kann man damit trotzdem öffnen.


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 Betreff des Beitrags: Re: Der schwere Weg
BeitragVerfasst: Fr 20. Mär 2015, 10:34 
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Stefan hat geschrieben:
Ich kapiere das nicht. Wenn der Erfinder des Dosenöffners behauptet hätte, dass man damit auch Safes knacken kann, hätte er natürlich Unrecht gehabt. Aber Dosen kann man damit trotzdem öffnen.

Ich gebe ganz ehrlich zu, daß ich deine Analogie nicht verstanden habe. Es war von Popper die Rede. Wenn du den gemeint hast, was hat der "erfunden", was konnte man damit und was nicht? :)

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 Betreff des Beitrags: Re: Der schwere Weg
BeitragVerfasst: Fr 20. Mär 2015, 15:51 
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Beiträge: 148
Du weisst es, also frag nicht.


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