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 Betreff des Beitrags: Re: Noch ein Philosophiethread
BeitragVerfasst: Fr 26. Sep 2014, 18:05 
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Marcellinus hat geschrieben:
Nicht die Grundannahmen entscheiden, ob etwas Wissenschaft ist oder nicht, sondern ob sich die Erklärungsmodelle in nachprüfbarer Weise auf beobachtbare Tatsachen bezeihen.


Sagt wer? Sind sich Wissenschaftler hierueber einig? ;)


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 Betreff des Beitrags: Re: Noch ein Philosophiethread
BeitragVerfasst: Fr 26. Sep 2014, 18:24 
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Domingo hat geschrieben:
Marcellinus hat geschrieben:
Nicht die Grundannahmen entscheiden, ob etwas Wissenschaft ist oder nicht, sondern ob sich die Erklärungsmodelle in nachprüfbarer Weise auf beobachtbare Tatsachen bezeihen.

Sagt wer? Sind sich Wissenschaftler hierueber einig? ;)

Normative Kraft des Faktischen. Ob Astrophysiker die Bahnen von Himmelskörpern berechnen, oder Paleonthologen debattieren, ob Saurier nun Federn hatten oder nicht, oder ob Antropologen die Entwicklung der Menschengattung erforschen, oder Mediziner einen Impfstoff gegen Ebola suchen, immer hat das letzte Wort das Experiment, die Messung, der materielle Beweis. Aber das weißt du natürlich genauso gut wie ich.

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"Mangel an historischem Sinn ist der Erbfehler aller Philosophen ... Alles aber ist geworden;
es gibt keine ewigen Tatsachen: sowie es keine absoluten Wahrheiten gibt."


- Friedrich Nietzsche


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 Betreff des Beitrags: Re: Noch ein Philosophiethread
BeitragVerfasst: So 28. Sep 2014, 19:04 
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Lass uns einen Schritt zurueck gehen: "Epistemologisch" bedeutet "Wissenschaftstheoretisch". Damit Wissenschaftler miteinander uebereinstimmen koennen, muessen sie mehr oder weniger die gleichen Vorstellungen darueber haben, was Wissenshcaft ist, welchen Kriterien sie unterliegt usw. Die einzige "normative Kraft des Faktischen", die es da geben kann, ist, ob die Fachwelt etwas als Wissenschaft akzeptiert oder nicht. Das Experiment hat nur dann das letzte Wort, wenn die Wissenschaftler als Gruppe der Meinung sind, dass es das letzte Wort haben soll.

Daher kann man mMn sehr wohl sagen, Wissenschaftler teilten die gleichen wisseschaftstheoretischen Grundannahmen: dass die Natur das letzte Wort hat, und das Experiment das ist, womit man sie fragt. Dies impliziert wohl auch den Glauben, dass es eine objective Welt ausserhalb unserer Kopfes gibt, dass sie grundsaetzlich verstaendlich ist usw. Ein Wissenschaftler muss diese Annahmen zumindest dann akzeptieren, wenn er seinem Beruf nachgeht (unabhaengig davon, was er als Privatperson glaubt). Philosophen koennen hingegen alles hinterfragen, sie sind icht beruflich an bestimmte Vorannahmen gebunden; im Gegenteil, ihr Beruf besteht quasi darin, alles in Zweifel zu ziehen, nach den Praemissen der Praemissen zu suchen usw., was natuerlich ein nie endendes Uterfangen ist.


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 Betreff des Beitrags: Re: Noch ein Philosophiethread
BeitragVerfasst: So 28. Sep 2014, 20:51 
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Domingo hat geschrieben:
Lass uns einen Schritt zurueck gehen: "Epistemologisch" bedeutet "Wissenschaftstheoretisch".

Nein, bedeutet es nicht. „Epistemologie“ ist philosophische Erkenntnistheorie. Sie beschäftigt sich philosophisch (also wesentlich durch Nachdenken) mit den Vorausssetzungen von Erkenntnis und dem Zustandekommen von Wissen. Da es sich aber bei Erkenntnis und Wissen selbst um reale Tatbestände handelt, die Philosophie aber keine Wissenschaft ist, sind die Ergebnisse wesentlich Glaubenssache.

Philosophische Wissenschafttheorie beschäftigt sich philosophisch mit den Voraussetzungen, Methoden und Zielen von Wissenschaft und ihrer Form von Erkenntnisgewinnung. Der gleiche Einwand wie gegen die philosophische Erkenntnistheorie gilt auch hier. Statt sich wissenschaftlich damit zu beschäftigen, wie Wissenschaften in der beobachtbaren Wirklichkeit funktionieren, beschäftigt sich die philosophische Wissenschafttheorie wesentlich damit, wie Wissenschaft funktionieren sollte! Nicht unwesentlich an diesem Dilemma beteiligt ist die Diskussion eines metaphysischen Begriffes namens "Wahrheit".

Domingo hat geschrieben:
Damit Wissenschaftler miteinander uebereinstimmen koennen, muessen sie mehr oder weniger die gleichen Vorstellungen darueber haben, was Wissenshcaft ist, welchen Kriterien sie unterliegt usw. Die einzige "normative Kraft des Faktischen", die es da geben kann, ist, ob die Fachwelt etwas als Wissenschaft akzeptiert oder nicht. Das Experiment hat nur dann das letzte Wort, wenn die Wissenschaftler als Gruppe der Meinung sind, dass es das letzte Wort haben soll.

So, so, meinst du! Die Ptolemäer und Kopernikaner waren also "mehr oder weniger" der gleichen Meinung darüber, was Wissenschaft ist? Mit dem Thema und der Frage, wie in den Wissenschaften ein "Paradigmenwechsel" zustandekommt, hat sich schon Thomas S. Kuhn die Zähne ausgebissen.

Domingo hat geschrieben:
Daher kann man mMn sehr wohl sagen, Wissenschaftler teilten die gleichen wisseschaftstheoretischen Grundannahmen: dass die Natur das letzte Wort hat, und das Experiment das ist, womit man sie fragt. Dies impliziert wohl auch den Glauben, dass es eine objective Welt ausserhalb unserer Kopfes gibt, dass sie grundsaetzlich verstaendlich ist usw. Ein Wissenschaftler muss diese Annahmen zumindest dann akzeptieren, wenn er seinem Beruf nachgeht (unabhaengig davon, was er als Privatperson glaubt).

Mit Glauben hat das nichts zu tun, auch wenn das aus der Sicht der Philosophen so scheinen mag, die im wesentlichen interessiert, was im Kopf eines einzelnen Menschen vor sich geht. Der Descartes'sche Irrtum, könnte man sagen.

Domingo hat geschrieben:
Philosophen koennen hingegen alles hinterfragen, sie sind icht beruflich an bestimmte Vorannahmen gebunden; im Gegenteil, ihr Beruf besteht quasi darin, alles in Zweifel zu ziehen, nach den Praemissen der Praemissen zu suchen usw., was natuerlich ein nie endendes Uterfangen ist.

Weil es ein nutzloses Unterfangen ist! :D Philosophie hatte nur eine Aufgabe, von der Religion zur Wissenschaft zu führen. Wo sie damit scheitert, führt sie zur Religion zurück, siehe Jürgen Habermas.

Die Suche nach "Prämissen", nach absoluten Anfängen und absoluten Begriffen, kann nur zu der Erkenntnis führen, daß es all das nicht gibt. Danach ist die Aufgabe der Philosphie erledigt. Genauer gesagt ihre Aufgabe als "Welterklärung". Als Philosophia, als "Liebe zur Weisheit" hätte sie vielleicht noch eine Chance, aber das bräuchte zu allererst andere Philosophen. ;)

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 Betreff des Beitrags: Re: Noch ein Philosophiethread
BeitragVerfasst: Mo 29. Sep 2014, 08:45 
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Marcellinus hat geschrieben:
Domingo hat geschrieben:
Lass uns einen Schritt zurueck gehen: "Epistemologisch" bedeutet "Wissenschaftstheoretisch".

Nein, bedeutet es nicht. „Epistemologie“ ist philosophische Erkenntnistheorie.


Ok, gut. Ich hatte es aders in Erinnerung, aber ich denke, man sollte sich nicht um Worte streiten. Und das folgende habe ich mir selbst eingebrockt:

Zitat:
Mit Glauben hat das nichts zu tun


Ich haette das Wort - ausgerechnet in diesem Forum - nicht so fahrlaessig benuzten sollen 8-)

Zitat:
So, so, meinst du! Die Ptolemäer und Kopernikaner waren also "mehr oder weniger" der gleichen Meinung darüber, was Wissenschaft ist?


Warum sollte ich etwas anderes denken? Etwa weil die Kopernikaner auf der Seite der Vernunft waren, waehrend die Ptolemaeer aberglaeubische Dogmatiker waren? Ich bin mir nicht so sicher, ob es einfach nur ein Kampf der Vernunft gegen den Aberglauben war... Da muss ich aber ein bisschen Recherche betreiben, und das kann dauern, da ich in den naechsten Tagen wohl voll beschaeftigt sein werde.


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 Betreff des Beitrags: Re: Noch ein Philosophiethread
BeitragVerfasst: Mo 29. Sep 2014, 08:59 
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Domingo hat geschrieben:
Da muss ich aber ein bisschen Recherche betreiben, und das kann dauern, da ich in den naechsten Tagen wohl voll beschaeftigt sein werde.

Mach' dir keinen Streß! In Foren hat man Zeit. ;)

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 Betreff des Beitrags: Re: Noch ein Philosophiethread
BeitragVerfasst: Mi 18. Mär 2015, 18:33 
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Registriert: Di 17. Mär 2015, 19:16
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Marcellinus hat geschrieben:
Domingo hat geschrieben:
Marcellinus hat geschrieben:
Nicht die Grundannahmen entscheiden, ob etwas Wissenschaft ist oder nicht, sondern ob sich die Erklärungsmodelle in nachprüfbarer Weise auf beobachtbare Tatsachen bezeihen.

Sagt wer? Sind sich Wissenschaftler hierueber einig? ;)

Normative Kraft des Faktischen. Ob Astrophysiker die Bahnen von Himmelskörpern berechnen, oder Paleonthologen debattieren, ob Saurier nun Federn hatten oder nicht, oder ob Antropologen die Entwicklung der Menschengattung erforschen, oder Mediziner einen Impfstoff gegen Ebola suchen, immer hat das letzte Wort das Experiment, die Messung, der materielle Beweis. Aber das weißt du natürlich genauso gut wie ich.


Das ist völlig richtig. Nur kann der Mensch im Sinne des Prometheus damit nicht zufrieden sein. Daraus ergibt sich die phantastische Konsequenz der unerträglichen Leichtigkeit des Seins oder der Depression.......... ;)


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 Betreff des Beitrags: Re: Noch ein Philosophiethread
BeitragVerfasst: Mi 18. Mär 2015, 19:25 
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abbaJazz hat geschrieben:
Nur kann der Mensch im Sinne des Prometheus damit nicht zufrieden sein.

"Der" Mensch? Welcher? Ich kann, und zwar recht gut. ;)

abbaJazz hat geschrieben:
Daraus ergibt sich die phantastische Konsequenz der unerträglichen Leichtigkeit des Seins oder der Depression.......... ;)

Für mich weder noch. Vielleicht ist deine "phantastische Konsequenz" ja doch ein Einzelschicksal.

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 Betreff des Beitrags: Re: Noch ein Philosophiethread
BeitragVerfasst: Mi 18. Mär 2015, 22:59 
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so hat jeder seine Beschränkung......besonders dann, wenn es nicht gegeben ist so in Richtung : von....bis oder von weg .......hin zu etwas zu erfahren.


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 Betreff des Beitrags: Re: Noch ein Philosophiethread
BeitragVerfasst: Mi 18. Mär 2015, 23:03 
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Beschränkungen zu haben ist nicht schlimm. Sie nicht sehen zu können, auch nicht. Sie nicht sehen zu wollen, ist das Problem. Höre nicht auf Worte, lege nicht zu viel Gewicht auf Taten. Erkenne die Muster!


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