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 Betreff des Beitrags: Vipassana
BeitragVerfasst: Di 8. Okt 2013, 07:51 
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Ab und zu lese ich ja auch Bücher. Also richtige, mit Seiten, Umblättern, Lesezeichen, Knick in der Seite, wenn keins da ist. ;)
Vor einiger Zeit kam mir Andreas Altmann "Das beschissene Leben meines Vaters, das beschissene Leben meiner Mutter und meine beschissene Jugend" in die Finger. Es war faszinierend, wieviel Parallelen da zwischen dem Schriftsteller und mir vorhanden waren. Nicht in der Härte, die er schildert, aber auf jeden Fall in der Tendenz. Nur, dass er weit eher als ich durchgeblickt hat...
Andreas Altmann wurde Reiseschriftsteller, jetzt fand ich von ihm
"Triffst Du Buddha, töte ihn!"
Ja, locker geschrieben, mit einem gehörigen Schuss Selbstironie, zeigt es den Selbstversuch von Altmann mit Vipassana, einer Meditationsart, die im wesentlichen darauf beruht, sich anzugewöhnen, eine Sache, an der man arbeitet richtig zu tun, achtsam zu sein und sich nicht ablenken zu lassen. Es sind Atemübungen, man soll seinen Atem beobachten, sich darauf konzentrieren, es zu fühlen, wie der Atem an den Nasenlöchern vorbeistreicht. Und das in einer wohl unbequemen Körperhaltung.
Nun, ich beschäftige mich seit 1975 mit Meditationsübungen, aber zweckgerichtet in Bezug auf Schießsport. Ich hatte "Erweckungserlebnisse" klingt lustig, ist es für einen Außenstehenden wohl auch, der "Erweckungserlebnisse" nur in Verbindung mit religiösen "Gotteserkenntnissen" kennt, das von einem militanten Atheisten zu hören, jawohl, ich hatte so ein Erlebnis, und seitdem bin ich mir meiner sehr sicher, es gibt keinen Gott, keine Götter, außer in dem Pantheon meines Kopfkinos, dass ich ein- und ausschalten kann, wann ich will. Hängengeblieben bin ich beim autogenen Training, das habe ich nie verlernt, ich wende es immer noch an, und mir persönlich hilft es, ruhig und gelassen zu bleiben.
Und hier kommt die Verbindung zu dieser Meditationstechnik Vipassana. Sie funktioniert letztendlich genauso, über die Beobachtung des Atems die Gedankenwelt zu beeinflussen, zu steuern. Zu lernen, nur auf eine Sache zu achten. Altmann wehrt sich dagegen, wie verlangt seinen Verstand bei dieser Meditation preiszugeben, er verstößt auch bewußt gegen Regeln, so führt er den ganzen Kurs über ein Tagebuch, was streng verboten ist. Find ich gut...
Was bei Vipassana noch dazukommt ist die anfängliche Körperfolter. Ja, und wozu ist die gut??? Altmann sieht ein, dass er das so nicht durchziehen kann, und trotzdem verbucht er diesen Kurs als Erfolg.
Beim autogenen Training nimmt man die Kutscherhaltung ein, die ist bequem und wenn man "eingetaucht" ist, spürt man seinen Körper sowieso nicht mehr. Man kann dieses Training im Bett durchführen, in einem bequemen Sessel, die Füße hochgelegt. Weshalb muss diese anfängliche Körperfolter dasein?
Die Beschreibung von Altmann der Erlebnisse während seiner Meditation erinnern mich stark an die Erlebnisse, die ich beim autogenen Training habe, das Kommen und Gehen der Gedanken, das Spüren des Atems, des Herzschlages, wenn man "drin" ist, die Glücksgefühle, die Scham über die Scheiße, die man mal gebaut hat, all das...
Mir ist Vipassana sehr sehr sympathisch, da ist kein Überbau dahinter, die Regeln sind einfach, nachvollziehbar, es gibt keinen Guru.
Aber andererseits habe ich eigentlich genau diese Meditationsart im autogenen Training, und die ist noch einfacher...
Altmann hat, als er nach dem Erlebnis wieder zu Hause war, sein fünf Buddhastatuen verschenkt. Ich habe nie das Bedürfnis gehabt, welche zu besitzen. Da war ihm wohl mal voraus...
Jedenfalls, ich habe seit langem kein Buch mehr mit solchem Interessen gelesen wie dieses. Äh... Ausgenommen "Skurrile Quantenwelt" dieses Wundermädchens Silvia Arroyo Camejo...
ullr
PS: Hallo Alice, danke für die PN, aber jetzt ist klar, weshalb ich mich ein wenig rar gemacht habe, oddr? ;)

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 Betreff des Beitrags: Re: Vipassana
BeitragVerfasst: Di 8. Okt 2013, 09:27 
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Zitat:
Hängengeblieben bin ich beim autogenen Training, das habe ich nie verlernt, ich wende es immer noch an, und mir persönlich hilft es, ruhig und gelassen zu bleiben.

Ausser es geht um den Pfau von Limburg oder um absurde Ansichten von Gläubigen-da lässt wohl die Wirkung der Meditation nach und vorbei ist es mit ullrs Ruhe und Gelassenheit :P


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 Betreff des Beitrags: Re: Vipassana
BeitragVerfasst: Di 8. Okt 2013, 10:42 
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Alice hat geschrieben:
Zitat:
Hängengeblieben bin ich beim autogenen Training, das habe ich nie verlernt, ich wende es immer noch an, und mir persönlich hilft es, ruhig und gelassen zu bleiben.

Ausser es geht um den Pfau von Limburg oder um absurde Ansichten von Gläubigen-da lässt wohl die Wirkung der Meditation nach und vorbei ist es mit ullrs Ruhe und Gelassenheit :P

Dann wäre ich tot, wenn ich mich darüber nicht aufregen würde.
Aber über den Pfau von Limburg lache ich mehr. Ganz respekt- und achtungslos.
Und... Du kannst es glauben oder nicht, 'ner schönen Frau, die mir in der Löhrstraße begegnet, der gucke ich immer noch hinterher, angeregt. Natürlich nur, wenn Krickeline nicht dabei ist...
ullr

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 Betreff des Beitrags: Re: Vipassana
BeitragVerfasst: Di 8. Okt 2013, 11:02 
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Zitat:
...'ner schönen Frau, die mir in der Löhrstraße begegnet, der gucke ich immer noch hinterher, angeregt.
Natürlich nur, wenn Krickeline nicht dabei ist...

Dann würde ich Krickeline empfehlen, auch dieses autogene Trainig und deine Meditationstechnik auszuüben, welche eventuell zu dem Resultat führen könnte, dass du zukünftig auch in ihrer Gegenwart hübschen Frauen nachgucken könntest, ohne dass dein (ohnehin völlig normales männliches) Verhalten sie aus der Ruhe bringen würde.
Abgesehn davon, stehn wir *Alphaweibchen* ohnehin über den Dingen und somit..... ;)


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 Betreff des Beitrags: Re: Vipassana
BeitragVerfasst: Di 8. Okt 2013, 12:18 
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Zitat:
"Triffst Du Buddha, töte ihn!"

Was so viel bedeutet wie "Gott loslassen mit all den Vorstellungen und Lehren", erst dann kann "der Geist" wirken und das Erweckungserlebnis beginnen:
Zitat:
...die Glücksgefühle, die Scham über die Scheiße, die man mal gebaut hat, all das...

Genau...

Zitat:
Vipassana, einer Meditationsart, die im wesentlichen darauf beruht, sich anzugewöhnen, eine Sache, an der man arbeitet richtig zu tun, achtsam zu sein und sich nicht ablenken zu lassen.

Wiki meint:
Die Vertreter des Vipassanā lehren, dass der alleinige Schlüssel zu der „Höchsten Realität“ eine schlichte, jederzeit entwickelbare Achtsamkeit ist, nicht Konzepte oder Studien, die nur eine vorbereitende Funktion haben.
Es handelt sich um eine methodisch entwickelte bloße Achtsamkeit, die weder über systematische Studien noch über starke Konzentrationszustände („Vertiefungen“ oder Jhānas) führt, sondern (als Betrachten der natürlichen Phänomene) unmittelbar vorgeht.

Der Zweck des traditionellen Vipassanā in allen seinen Formen ist eine ungetrübte, durchdringende „Klare Sicht“ (vipassanā), ein über diskursives Denken hinausgegangenes, unmittelbares Erfassen der vergänglichen, ungenügenden bzw. „Selbst“-losen Natur der Erscheinungen − nämlich der sinnlich wahrgenommenen Phänomene und der Körperempfindungen, Gefühlsreaktionen, Emotionen oder Gedanken. Mit diesem unmittelbaren Erfassen soll das unbewusste Ergreifen bzw. Sichidentifizieren mit den vergänglichen Phänomenen als „Ich (bin das)“ oder „mein“ und damit alle Ängste und Leiden schwinden. S.N. Goenka (s.u.) resümiert Vipassanā mit „die Dinge sehen, wie sie wirklich sind


Was bitte ist die "höchste Realität?"

hier steht:
Zitat:
Vipassana heißt, "die Dinge so zu sehen, wie sie wirklich sind".

wirklich= real, tatsächlich, echt, richtig


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 Betreff des Beitrags: Re: Vipassana
BeitragVerfasst: Di 8. Okt 2013, 12:56 
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Altmann schreibt in seinem Erfahrungsbericht, dass dieser Kurs ihm bewußt gemacht hat, achtsam auf das, was man gerade tut, zu sein hat. Er läßt da eine heftige Philippika wegen die Multitasking Hype los. Ist ja gut, nur, es hakt sofort, wenn die Probleme komplex werden und "Bedenke das Ende... " in's Spiel kommt.
Was mich wundert ist, dass in der Ausführung diese Meditation sehr dem autogenen Training ähnelt, außer der zusätzlichen Körperfolter... Jedenfalls nach dem sehr gegrenztem Wissen, dass ich z.Zt. habe.
ullr

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 Betreff des Beitrags: Re: Vipassana
BeitragVerfasst: Di 8. Okt 2013, 13:17 
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ullr hat geschrieben:
Er läßt da eine heftige Philippika wegen die Multitasking Hype los.

Ist auch nachvollziehbar, warum...

Zitat:
.... es hakt sofort, wenn die Probleme komplex werden und "Bedenke das Ende... " in's Spiel kommt.

Ich versteh leider nicht-Ende von was?


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 Betreff des Beitrags: Re: Vipassana
BeitragVerfasst: Di 8. Okt 2013, 14:13 
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Beiträge: 1096
Alice hat geschrieben:
ullr hat geschrieben:
Er läßt da eine heftige Philippika wegen die Multitasking Hype los.

Ist auch nachvollziehbar, warum...

Zitat:
.... es hakt sofort, wenn die Probleme komplex werden und "Bedenke das Ende... " in's Spiel kommt.

Ich versteh leider nicht-Ende von was?

Wenn Du die Lösung einer Aufgabe beginnst, wie könnte das Ende aussehen? Ich kenn den von Soldatens. Da hilft Dir m.M. n. alle Achtsamkeit, die Du in eine Einzelaufgabe steckst, nicht viel.
ullr

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 Betreff des Beitrags: Re: Vipassana
BeitragVerfasst: Di 8. Okt 2013, 22:48 
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Zitat:
es hakt sofort, wenn die Probleme komplex werden und "Bedenke das Ende... " in's Spiel kommt.

Wenn man die Atmung beobachten will, dürfte man wenig Zeit übrig haben, um nebenbei auch noch das Ende zu bedenken.

Zitat:
Vipassana heißt, "die Dinge so zu sehen, wie sie wirklich sind".

Lehrte nicht der Buddha, dass es keinen Handelnden gibt, dass die gesehenen Dinge erst durch den Akt des Sehens entstehen und dass die gesehenen Dinge wieder verschwinden, sobald der Akt des Sehens beendet ist?

Lehnte nicht der Buddha jegliche philosophische Betrachtung über Wirklichkeit und Unwirklichkeit strikt ab, mit der Begründung, dass solcherlei Betrachtung nicht zur Abkehr, nicht zur Wendung, nicht zur Auflösung, nicht zur Aufhebung, nicht zur Durchschauung, nicht zur Erwachung, nicht zur Erlöschung führe?

http://palikanon.de/majjhima/m072n.htm


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 Betreff des Beitrags: Re: Vipassana
BeitragVerfasst: Mi 9. Okt 2013, 06:57 
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JackSparrow hat geschrieben:
Zitat:
es hakt sofort, wenn die Probleme komplex werden und "Bedenke das Ende... " in's Spiel kommt.

Wenn man die Atmung beobachten will, dürfte man wenig Zeit übrig haben, um nebenbei auch noch das Ende zu bedenken.

Das meine ich ja. Das ist eine einfache Aufgabe. Wie will man aber vollständig "achtsam" sein, wenn die Aufgabe komplex ist? Wenn Lösungen in Verbindung mit anderen Einflüssen, die nicht oder nur schwer abschätzbar sind, zu katastrophalen Ergebnissen führen können?
Zitat:
Zitat:
Vipassana heißt, "die Dinge so zu sehen, wie sie wirklich sind".

Lehrte nicht der Buddha, dass es keinen Handelnden gibt, dass die gesehenen Dinge erst durch den Akt des Sehens entstehen und dass die gesehenen Dinge wieder verschwinden, sobald der Akt des Sehens beendet ist?

Lehnte nicht der Buddha jegliche philosophische Betrachtung über Wirklichkeit und Unwirklichkeit strikt ab, mit der Begründung, dass solcherlei Betrachtung nicht zur Abkehr, nicht zur Wendung, nicht zur Auflösung, nicht zur Aufhebung, nicht zur Durchschauung, nicht zur Erwachung, nicht zur Erlöschung führe?

http://palikanon.de/majjhima/m072n.htm

Das mag wohl sein, aber Buddha sollte einem nicht auf der Straße begegnen, wenn man vinepassaniert. Es ist eine Weiterentwicklung, und in meinen Augen eine sehr positive. Ich habe es vorgestern gemerkt, als ich "achtsam" durch das Löhrcenter flanierte... Einige schöne Frauen gesehen... ;)
ullr

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